Aignostics erhält 14 Millionen Euro für Weiterentwicklung KI-gestützter Pathologie

Ausgründung aus der Charité mit Fokus auf die Entwicklung von KI-Modellen, um Verständnis, Diagnose und Behandlung schwerwiegender Krankheiten zu verbessern

19.09.2022 - Deutschland

Aignostics, ein Spin-off der Charité – Universitätsmedizin Berlin, das neuartige digitale Pathologielösungen mit “Explainable AI” für die pharmazeutische Forschung und Diagnostik entwickelt, gab den Abschluss einer überzeichneten „Series A“-Finanzierungsrunde in Höhe von 14 Millionen Euro bekannt. Wellington Partners führte die Runde als Neuinvestor an. Die bestehenden Investoren Boehringer Ingelheim Venture Fund (BIVF), der von IBB Ventures verwaltete VC Fonds Technologie, der High-Tech Gründerfonds (HTGF) sowie der von Ascenion initiierte CARMA-Fonds als weiterer neuer Investor beteiligten sich ebenfalls.

© Aignostics

Während Pathologen einzelne Gewebeproben hervorragend qualitativ interpretieren können, erfordert die tiefgreifende Analyse großer Datensätze den Einsatz der Künstlichen Intelligenz („KI“). Aignostics hat dies erkannt und fokussiert sich auf die Entwicklung modernster KI-Modelle für die detaillierte Analyse von Gewebeproben und zugehörigen Metadaten im Auftrag von Blue-Chip-Kunden aus der Pharma- und Biotechnologiebranche. Die KI-Modelle von Aignostics gehen weit über aktuelle Standardlösungen und etablierte Ansätze hinaus und decken die wichtigsten Gewebefärbetechnologien wie Hämatoxylin-Eosin (H&E), Immunhistochemie (IHC) und Multiplex-Immunfluoreszenz (mIF) ab. Sie ermöglichen eine Beschleunigung der präklinischen und translationalen Forschung, indem sie das Verständnis der Biologie von Krankheiten und Wirkmechanismen verbessern. Außerdem können neuartige Biomarker und Hinweise auf die Wirksamkeit von innovativen Arzneimittelkandidaten identifiziert werden, die mit herkömmlichen Methoden der Mikroskopie nur schwer zu erfassen sind.

"Mit dieser neuen Finanzierungsrunde wollen wir unsere Präsenz und unser Team weiter ausbauen. Insbesondere werden wir einen stärkeren Fokus auf den US-amerikanischen Markt legen, auf dem wir seit Anfang des Jahres aktiv sind. Durch die Beschleunigung der Investitionen in unsere Plattform und in regulatorische Exzellenz werden wir ab Anfang 2023 in der Lage sein, einen Entwicklungs- und Analyseprozess anzubieten, der mit „Good Clinical Practice“ (GCP) konform ist. Bald darauf werden wir erste KI-Modelle in frühphasigen klinischen Studien einsetzen können. Mittelfristig wollen wir auch für die Entwicklung von KI-gestützten Companion Diagnostics (CDx) weltweit ein starker Partner werden", Viktor Matyas, CEO und Mitgründer von Aignostics.

"Wir werden auch weiterhin Innovationen in der Forschung zum maschinellen Lernen vorantreiben. Unsere patentierte “Explainable AI”-Technologie beispielsweise macht herkömmliche Black-Box KI-Modelle „erklärbar“ und legt die Merkmale offen, auf denen ihre Entscheidungen und Vorhersagen beruhen. Dies hilft bei der Entdeckung neuartiger Biomarker oder Identifizierung von Hinweisen für das Ansprechen auf innovative Medikamente. Darüber hinaus haben wir einen proprietären Ansatz für das automatisierte Training von KI auf Zellebene entwickelt, der nicht auf manuelle Annotationen von Pathologen angewiesen ist. Beide Ansätze wurden bereits erfolgreich in für Kunden durchgeführten Studien eingesetzt, und es gibt noch einige weitere Forschungsbereiche, die wir als sehr vielversprechend identifiziert haben", Dr. Maximilian Alber, CTO und Mitgründer.

"Was Aignostics einzigartig macht, ist nicht nur die Technologie, sondern auch der umfassende Zugang zu wichtigen Datenmodalitäten und Pathologen, die jederzeit eng in den Entwicklungsprozess eingebunden sind. Diese Kombination ermöglicht es Aignostics, in kürzester Zeit maßgeschneiderte, vortrainierte KI-Modelle zu entwickeln, die Kunden auf ihre eigenen Forschungs- und klinischen Studiendaten sehr wirkungsvoll anwenden können", Dr. Johannes Fischer, Principal bei Wellington Partners.

Das Angebot ist “gewebezentriert”, daher steht im Mittelpunkt der Analyse immer eine gefärbte Gewebeprobe, wobei oft auch Metadaten und zusätzliche Datenmodalitäten wie molekulare oder klinische Daten mit einbezogen werden.

"Wir sind mit der Entwicklung von Aignostics in den letzten zwei Jahren sehr zufrieden und glauben, dass das Team seinen Mehrwert für seine Pharma- und Biotech-Kunden unter Beweis gestellt hat. Der BIVF freut sich daher, das Wachstum und die Entwicklung von Aignostics und insbesondere seine Forschungsaktivitäten weiter zu unterstützen, während das Unternehmen seine marktführende Technologie und sein geistiges Eigentum weiter ausbaut", Dr. Alexander Ehlgen vom Boehringer Ingelheim Venture Fund.

"Wir sind von dem Team und der Technologie von Aignostics tief beeindruckt. Wellington freut sich, sich als neuer Leadinvestor der Gruppe der bestehenden Investoren anzuschließen und einen führenden deutschen KI-Anbieter in seiner Expansionsphase zu unterstützen. Mehr noch als bei unserem früheren Portfoliounternehmen Definiens sehen wir bei Aignostics das Potenzial, die Nutzung der Pathologie durch die pharmazeutische Industrie und CROs im Arzneimittelentwicklungsprozess wesentlich effizienter zu gestalten, um die Behandlung von Patienten mit schwer behandelbaren Krankheiten, einschließlich Krebs, deutlich zu verbessern", Dr. Rainer Strohmenger, Managing Partner bei Wellington Partners.

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