Sichere ARA-Öle für Infant Formula: Cereulid-Entfernung möglich

Reduktionsstudien der Nutriswiss AG zeigen Wege zur Elimination des hochstabilen Toxins im Raffinationsprozess auf

02.04.2026
Copyright: Nutriswiss

Durch eine spezifische Kombination von Prozessschritten, Prozessbedingungen und verschiedenen Hilfsstoffen gelang es Nutriswiss im Versuch bereits Cereulid-Gehalte in ARA-Öl signifikant zu senken.

Der Nachweis des bakteriellen Toxins Cereulid in Babynahrung mehrerer europäischer Hersteller zog im Februar 2026 Vertrauensverluste und eine grosse Rückrufwelle nach sich. Auslöser der Verunreinigung waren arachidonsäurehaltige Öle in den Rezepturen. Cereulid gilt durch herkömmliche Massnahmen als nicht entfernbar. Kontaminierte Chargen müssen bisher entsorgt werden. Bei Nutriswiss laufen zurzeit vielversprechende Versuche, um diese hartnäckige Kontamination mittels angepasster Raffinationsschritte aus Ölen zu entfernen.

Sogenannte ARA-Öle mit sehr hohem Gehalt an Arachidonsäure (ARA) finden breite Verwendung, um Säuglingsnahrung oder Nahrungsergänzungsmittel mit langkettigen Omega-6-Fettsäuren aus nichttierischen Quellen anzureichern. Diese sind unter anderem wichtig für die Entwicklung des Immunsystems, der Augen oder des Gehirns im Säuglings- und Kleinkindalter. Eine Kontamination der ARA-Öle durch Cereulid erzeugende Bacillus cereus-Stämme und die Aufkonzentrierung des Toxins im Produktionsprozess können bei Verzehr zu Emetischen Vergiftungen, also Übelkeit und Erbrechen führen, die sich bei Säuglingen und Kleinkindern viel stärker und gefährlicher auswirken als bei Erwachsenen. Ist das äußerst widerstandsfähige Toxin erst im Produkt, lässt es sich durch herkömmliche Raffinationsschritte wie Desodorieren, Säuren, Laugen, Auswaschungen und Filtration nicht entfernen.

ARA-Öle bei Cereulid-Nachweis nicht verkehrsfähig

Mit Inkrafttreten der Durchführungsverordnung (EU) 2026/459 der EU-Kommission vom 24. Februar 2026 sind ARA-Öle aus China, in denen Cereulid nachweisbar ist, in denen der Gehalt also über der Bestimmungsgrenze (LOQ) von 0,1 µg/kg liegt, de facto nicht verkehrsfähig.

Die Nutriswiss AG als Spezialistin für die Raffination hochwertiger, massgeschneiderter Speisefette und -öle veredelt eine breite Palette von Ölen für die Lebensmittel-, Pharma- und Kosmetikindustrie. Ihre hochmodernen Verfahren ermöglichen nicht nur die schonende Veredelung der Öle, sondern reduzieren auch wirksam Prozessverunreinigungen, Pestizide, Mineralölrückstände, Weichmacher und andere Schadstoffe. Nutriswiss ist nicht von der Cereulid-Problematik betroffen, raffiniert aber auch beigestellte Öle aus Fermentationsprozessen für Infant Formula im Kundenauftrag. 

Neuer Ansatz zur Reinigung betroffener Öle

Über einen Lieferantenkontakt erhielt das F&E-Team der Nutriswiss eine Probe kontaminierten ARA-Öls. Damit wurde eine Kurzstudie durchgeführt, um zu untersuchen, wie Cereulid durch technologische Massnahmen entfernt werden kann. Frank Möllering, Head of Research & Development bei Nutriswiss, ist zuversichtlich dieses Ziel zu erreichen und erklärt: «Durch eine spezifische Kombination von Prozessschritten, Prozessbedingungen und verschiedenen Hilfsstoffen gelang es uns bisher, den ursprünglichen Cereulid-Gehalt der Probe von 200 ppb in der Raffination unter 0,3 ppb zu senken. Das entspricht einer Reduktion um ca. 99,99 Prozent.» In weiteren Versuchen wird die Verfahrensfolge jetzt optimiert. Das Nutriswiss-Team hofft, in Kürze die analytische Bestimmungsgrenze des Cereulid-Gehalts von 0,1 ppb zu erreichen. Durch die nahezu vollständige Entfernung dieser chemisch extrem stabilen Kontamination könnten betroffene ARA-Öle dann gereinigt und wieder verkehrsfähig gemacht werden.

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