Neuer Biomarker für Studien zum Kaffeekonsum vorgeschlagen

05.03.2024
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Um in Ernährungs- und Gesundheitsstudien den Kaffeekonsum zu erfassen, sind Forschende meist auf Selbstauskünfte der Teilnehmenden angewiesen. Diese sind jedoch nicht immer verlässlich. Ergänzende Untersuchungen, mit denen sich der individuelle Konsum objektiv anhand von Biomarkern überprüfen ließe, wären daher wünschenswert. Ein Forschungsteam unter Leitung des Leibniz-Instituts für Lebensmittel-Systembiologie an der Technischen Universität München hat nun einen spezifischen Inhaltsstoff von Röstkaffee hinsichtlich seiner Eignung validiert und schlägt ihn als neuen, praktikablen Lebensmittel-Biomarker vor.

Weltweit trinken Millionen von Menschen täglich Kaffee, der eine Vielzahl bioaktiver Substanzen enthält. Seine gesundheitlichen Wirkungen auf den menschlichen Stoffwechsel sind daher häufig Gegenstand wissenschaftlicher Untersuchungen. In vielen dieser Studien beruhen die Daten zum Kaffeekonsum jedoch weitgehend auf Selbstangaben der Teilnehmenden und sind daher nicht immer korrekt. Dies kann die wissenschaftliche Aussagekraft von Ernährungsstudien beeinträchtigen.

Biomarker könnten Abhilfe schaffen

Zuverlässige Biomarker könnten bei diesem Problem Abhilfe schaffen, indem sie anhand biologischer Proben eine objektive Unterscheidung zwischen Kaffeetrinkenden und Nicht-Kaffeetrinkenden ermöglichen. „Bisher sind jedoch nur wenige Substanzen bekannt, die als Kaffeemarker in Frage kommen“, sagt Studienleiter Roman Lang vom Leibniz-Institut. Diese seien aber noch nicht hinreichend validiert oder in ausreichenden Mengen verfügbar, um in Ernährungsstudien als Referenzsubstanzen für Vergleichsmessungen zu dienen, so der Wissenschaftler weiter.

Das Forschungsteam, zu dem auch der Ernährungsmediziner Thomas Skurk sowie die Erstautorin Beate Brandl vom ZIEL - Institute for Food & Health der Technischen Universität München gehören, hat daher einen solchen Biomarker-Kandidaten umfassend auf dessen Eignung validiert. Es handelt sich um N-Methylpyridinium, das in Röstkaffee enthalten ist. Forschende der Technischen Universität München hatten die Substanz erstmals im Jahr 2011 im Rahmen einer Pilotstudie als Biomarker-Kandidaten vorgeschlagen.

Daten von über 460 Personen ausgewertet

Im Rahmen der wissenschaftlichen Validierung wertete das Team zum einen bereits vorhandene Literaturdaten aus. Zum anderen analysierte es Urin-, Blut- und Plasmaproben von über 460 Personen aus Freising und Nürnberg, die an einer Ernährungsstudie des vom BMBF geförderten enable-Clusters teilgenommen hatten.

Wie die Studie zeigt, ist N-Methylpyridinium ein für Röstkaffee spezifischer Inhaltsstoff, der zudem reichlich in den Hauptsorten Arabica und Robusta enthalten ist. Der Röststoff ist chemisch sehr stabil und seine Aufnahme in den Organismus ist konzentrationsabhängig. Ebenso lässt sich die Substanz nach dem Kaffeegenuss in verschiedenen Körperflüssigkeiten gut und reproduzierbar nachweisen, bevor sie den Körper innerhalb weniger Stunden bis Tage über den Urin unverändert wieder verlässt.

Roman Lang, der die Arbeitsgruppe Biosystems Chemistry & Human Metabolism am Leibniz-Institut leitet, erklärt: "Wie wir zeigen, erfüllt N-Methylpyridinium alle Kriterien, welche die Wissenschaft an einen Biomarker zur Kontrolle der Nahrungsaufnahme stellt. Auch wenn wir aufgrund verschiedener Faktoren nicht direkt auf die aufgenommene Kaffeemenge schließen können, ist der Röststoff dennoch als Marker geeignet. Denn er ermöglicht es, in Studien objektiv und praktikabel zwischen Personen zu unterscheiden, die Kaffee getrunken haben oder nicht. Wir schlagen ihn daher als zuverlässigen qualitativen Biomarker für den Kaffeekonsum vor."

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