Rostocker Neurochip-Technologie wird europäisch

12.05.2006

Mit etwa zwei Millionen Euro wird die EU ein Forschungsprojekt fördern, in dem neue Wirkstoffe für die Schmerztherapie bei schwer krebskranken Patienten entwickelt werden sollen. Beteiligt sind elf Partner aus sechs EU-Ländern, dabei eine Rostocker Forschergruppe des Landesforschungsschwerpunktes "Innovationsnetzwerk Biosystemtechnik". Ziel der gemeinsamen Forschung, so Teilprojektleiter Prof. Dieter Weiss vom Institut für Biowissenschaften der Universität Rostock, sei die Suche nach neuen Medikamenten, mit denen Patienten auch im letzten Krebsstadium Schmerzfreiheit ohne unangenehme Nebenwirkungen erreichen. Derzeit werden vor allem Opiate oder über die Haut wirkende Schmerzpflaster eingesetzt, die den Schmerz hemmen, aber oft nicht gut vertragen werden. Die ohnehin geschwächten Patienten leiden dann häufig unter Atemproblemen, Schweißausbrüchen, Verdauungs- oder Bewusstseinsstörungen.

Das Projekt, das noch dieses Jahr starten wird, baut auf neuesten Erkenntnissen der neurobiologischen Forschung auf. So weiß man heute, dass die Rezeptor-Moleküle, über die die Schmerzwahrnehmung von den befallenen Organen zum Rückenmark und dann zum Gehirn geleitet wird, bei Entzündungen oder Tumorerkrankungen verändert sind. Die Blockade dieser veränderten Schmerzrezeptoren durch eine neue Klasse von "smart drugs" verspricht eine bessere Wirkung als der Einsatz von traditionellen Medikamenten mit nur einem Wirkort. Die neuen Medikamente greifen nicht nur spezifisch an den veränderten Rezeptoren an, sondern blockieren auch die Weiterleitung der Schmerzsignale an das Gehirn auf mehreren Ebenen zugleich.

Die neuen Wirkstoffe werden mit dem in Rostock entwickelten Sensorsystem NeuroSensorix® getestet. Bei dieser Neurochip-Technik werden Netzwerke aus lebenden Nervenzellen auf einem Siliziumchip gezüchtet, der mit Ableitelektroden zur Messung der elektrischen Signale versehen ist. Werden Medikamente zugegeben, treten Veränderungen der elektrischen Kommunikation im Netzwerk auf, die in einem Computer ausgewertet werden und Aufschluss über die Wirkungsweise der Substanz geben. Die Suche nach neuen Medikamenten wird damit deutlich verbessert, auch weil die Ergebnisse aussagekräftiger sind, als solche, die in Tierversuchen gewonnen werden können.

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