09.10.2017 - Max-Planck-Institut für evolutionäre Anthropologie

Forscher entschlüsseln neues Neandertaler-Genom

Wissenschaftler des Max-Planck-Instituts für evolutionäre Anthropologie in Leipzig haben das Erbgut eines Neandertalers in hoher Qualität entschlüsselt, das 1980 in der Vindija-Höhle in Kroatien entdeckt worden war. Nach dem Erbgut eines Neandertalers aus dem Altai-Gebirge in Sibirien, das die Forscher 2014 entschlüsselt hatten, ist dies das zweite in dieser Qualität analysierte Neandertaler-Genom. Im Vergleich zum Neandertaler aus Sibirien ist das Individuum aus Kroatien näher mit den Neandertalern verwandt, die sich mit den Vorfahren jetzt lebender Menschen vermischten. Dank des nun entschlüsselten Genoms können die Forscher mehr Neandertaler-DNA im Erbgut heutiger Menschen identifizieren.

Der Vergleich der beiden Neandertaler-Genome hat zudem ergeben, dass diese näher miteinander verwandt waren als zwei beliebige jetzt lebende Menschen. „Eine so nahe Verwandtschaft zwischen zwei Individuen, die mehrere Tausend Kilometer und Jahre voneinander entfernt lebten, zeigt, dass Neandertaler in einer kleinen Population gelebt haben müssen“, sagt Fabrizio Mafessoni, ein Forscher am Max-Planck-Institut in Leipzig.

Um mehr über die Vermischung zwischen Neandertalern und den Vorfahren von heute außerhalb Afrikas lebender Menschen zu erfahren, hat das Forscherteam die zwei Neandertaler-Genome auch mit denen von heute lebenden Menschen verglichen. „Dabei haben wir herausgefunden, dass der Neandertaler aus Kroatien im Vergleich zu dem älteren Individuum aus Sibirien enger mit den Neandertalern verwandt ist, die sich mit unseren Vorfahren vermischten“ erklärt Steffi Grote, die die Genome in Leipzig untersuchte. Die Forschungsergebnisse zeigen, dass zwischen 1,8 und 2,6 Prozent im Erbgut eines modernen Menschen außerhalb Afrikas auf diese Vermischung zurückgehen.

Mit Hilfe der neuen Daten gelang es den Forschern auch, zusätzliche Genvarianten zu identifizieren, die durch die Vermischung in das Erbgut heutiger Menschen gelangten. „Das neue Genom hilft uns dabei, mehr Neandertaler-DNA in heutigen Menschen zu finden“, erläutert Kay Prüfer, der zusammen mit Svante Pääbo das Forscherteam zur Untersuchung des Neandertalergenoms leitete. „Einige dieser Varianten scheinen dabei vor Krankheiten zu schützen, während andere die Entwicklung von Krankheiten begünstigen könnten.“

  • Kay Prüfer et al.; "A high-coverage Neandertal genome from Vindija Cave in Croatia"; Science; 6 October, 2017

Max-Planck-Institut für evolutionäre Anthropologie

Jetzt Infos anfordern

News weiterempfehlen PDF Ansicht / Drucken

Teilen bei

Fakten, Hintergründe, Dossiers
  • Neandertaler
  • Genomanalysen
  • Genome
  • Genvarianten
Mehr über MPI für evolutionäre Anthropologie
Mehr über Max-Planck-Gesellschaft
  • News

    Das Higgs-Teilchen und die Supraleitung

    Ohne den Higgs-Mechanismus hätten Teilchen keine Masse. Daher wird das 2012 entdeckte Higgs-Teilchen auch Gottesteilchen genannt. Es entsteht als schwingende Anregung des Higgs-Feldes, das die Welt durchdringt. Interessanterweise zeigt Supraleitung ähnliche Eigenschaften. Ihre quantenmechan ... mehr

    Eine Ameise auf einem Elefanten wiegen: Quantensprung auf der Waage

    Ein neuer Zugang zur Quantenwelt: Wenn ein Atom beim Quantensprung eines Elektrons Energie aufnimmt oder abgibt, wird es schwerer oder leichter. Ursache ist Einsteins E = mc². Allerdings ist dieser Effekt bei einem einzelnen Atom ultraklein. Trotzdem gelang es nun einer internationalen Koop ... mehr

    Der Code der Fette

    Lipide, oder Fette, haben in unserem Körper viele Funktionen: So bilden sie Membranbarrieren, speichern Energie oder sind als Botenstoffe unterwegs und regulieren so zum Beispiel Zellwachstum und Hormonausschüttung. Viele von ihnen sind auch Biomarker für schwere Krankheiten. Bisher ist es ... mehr