Sensoren, die man drucken kann

05.03.2010 - Deutschland

Elektronische Geräte, die sich per Fingerzeig mit einer Handbewegung steuern lassen, sollen künftig in jeder Wohnung stehen. Das ist die Vision des Forschungskonsortiums 3Plast. Es entwickelt spezielle Sensoren, die sich auf Folie drucken und auf Gegenständen anbringen lassen.

Das Handy ist ausgeschaltet. Doch ein Fingerzeig genügt, damit das Startmenü erscheint. Eine Berührung des Displays ist nicht erforderlich. Diese »Fernbedienung« ermöglicht ein auf dem Handy angebrachter Polymersensor, der wie die menschliche Haut auf kleinste Temperaturschwankungen und Druckunterschiede reagiert und den Finger bereits erkennt, wenn er sich nähert.

Das Szenario ist fiktiv, könnte aber in einigen Jahren Realität sein. Dafür setzen sich Forscher des EU-Projekts 3Plast ein, kurz für »Printable pyroelectrical and piezoelectrical large area sensor technology«. Die beteiligten Unternehmen aus Industrie und Forschung haben es sich zum Ziel gesetzt, Druck- und Temperatursensoren herzustellen, die sich kostengünstig in Massenproduktion auf Folie drucken und flexibel auf unterschiedlichen Alltagsgegenständen wie elektronischen Geräten anbringen lassen. Koordiniert wird das mit 2,2 Millionen Euro geförderte Projekt vom Fraunhofer-Institut für Silicatforschung ISC in Würzburg. »Der Sensor besteht aus pyro- und piezoelektrischen Polymeren, die jetzt in massentauglichen Produktionsverfahren – etwa per Siebdruck – verarbeitet werden können. Der Sensor ist mit einem organischen Transistor kombiniert, welcher das Sensorsignal verstärkt. »Dort wo es am stärksten ist, befindet sich der Finger,« erklärt Gerhard Domann, der Leiter des Projekts. »Das Besondere an unserem Sensor: Der Transistor lässt sich ebenfalls drucken.«

Beim Herstellen der Polymersensoren sind jedoch noch Hürden zu nehmen: Um druckbare Transistoren anzufertigen, müssen die Isolationsmaterialien sehr dünn sein. Hier ist es den Experten vom ISC gelungen, einen Isolator mit einer Schichtdicke von lediglich 100 Nanometer zu fertigen. Die ersten Sensoren konnten die Forscher bereits auf Folie drucken. Derzeit arbeiten sie an optimierten Transistoren, die auch sehr schnelle Temperatur- und Druckänderungen verstärken können.

»Indem gewöhnliche Alltagsgegenstände mit Hilfe der Druck- und Temperatursensoren Informationen über ihre Umgebung erhalten – etwa, ob sich ein Mensch in unmittelbarer Nähe befindet – können wir neuartige Geräte realisieren und neue Märkte erschließen, die sich per Fingerzeig steuern lassen,« freut sich Domann. Der Forscher sieht weitere Einsatzmöglichkeiten für die Technik in der Automobil- und der Baubranche sowie in der Robotertechnologie. »Das Projekt läuft bis Januar 2011, wir gehen aber davon aus, dass es noch einige Jahre dauern wird, bis die Sensoren großflächig gedruckt werden.«

Weitere News aus dem Ressort Wissenschaft

Meistgelesene News

Weitere News von unseren anderen Portalen

Zuletzt betrachtete Inhalte

KNAUER zählt erneut zu Top 1 % der Arbeitgeber in Deutschland

KNAUER zählt erneut zu Top 1 % der Arbeitgeber in Deutschland

Entwicklung neuer Techniken zur Verbesserung der Rasterkraftmikroskopie - Die Verbesserungen werden die Vielseitigkeit und Präzision des Instruments erhöhen

Entwicklung neuer Techniken zur Verbesserung der Rasterkraftmikroskopie - Die Verbesserungen werden die Vielseitigkeit und Präzision des Instruments erhöhen

Anton Paar übernimmt Petrotest Gruppe

Anton Paar übernimmt Petrotest Gruppe

Auf dem Weg zur personalisierten Medizin - Mikrofluidischer Chip für die Einzelzell-Analytik

Auf dem Weg zur personalisierten Medizin - Mikrofluidischer Chip für die Einzelzell-Analytik

Ein Team von CSIC und UPV entwickelt das erste tragbare MRT-Gerät - Die erste kostengünstige, wirklich tragbare Magnetresonanz-Bildgebungstechnologie

Ein Team von CSIC und UPV entwickelt das erste tragbare MRT-Gerät - Die erste kostengünstige, wirklich tragbare Magnetresonanz-Bildgebungstechnologie

Kontamination von Labormaterial - Wissenschaftliche Detektivarbeit für reproduzierbare Ergebnisse

Kontamination von Labormaterial - Wissenschaftliche Detektivarbeit für reproduzierbare Ergebnisse

Elementaranalytik – ein stiller Star wird 125 - Kann sie sogar unsere Ernährung revolutionieren?

Elementaranalytik – ein stiller Star wird 125 - Kann sie sogar unsere Ernährung revolutionieren?

Gravitationswellen endlich erfasst - Nobelpreise für Physik bekannt gegeben

Gravitationswellen endlich erfasst - Nobelpreise für Physik bekannt gegeben

Wie sich Immunzellen im Körper verfolgen lassen - Neues Verfahren zum Markieren von T-Zellen bei Immuntherapien

Wie sich Immunzellen im Körper verfolgen lassen - Neues Verfahren zum Markieren von T-Zellen bei Immuntherapien

LabVantage Solutions ernennt Mikael Hagstroem, einen Veteranen der digitalen Transformation, zum Chief Executive Officer

LabVantage Solutions ernennt Mikael Hagstroem, einen Veteranen der digitalen Transformation, zum Chief Executive Officer

Neuartiger „An/Aus“-Schalter in Proteinen entdeckt - „Ich habe meinen Augen nicht getraut, als ich die Struktur des neuartigen Schalters zum ersten Mal sah“

Neuartiger „An/Aus“-Schalter in Proteinen entdeckt - „Ich habe meinen Augen nicht getraut, als ich die Struktur des neuartigen Schalters zum ersten Mal sah“

5 einfache Glücksmacher für Unternehmen - "Trotz der enormen Arbeitsintensität, anhaltenden Krisen sowie den Abstrichen in der Materialverfügbarkeit ist die Stimmung in der Laborbranche gut bis sehr gut"

5 einfache Glücksmacher für Unternehmen - "Trotz der enormen Arbeitsintensität, anhaltenden Krisen sowie den Abstrichen in der Materialverfügbarkeit ist die Stimmung in der Laborbranche gut bis sehr gut"