Vulkanwolke über Frankfurt eicht Satelliten

Erstmals Schwefeldioxidmessungen vom Flugzeug im direkten Vergleich zum Satelliten GOME-2

Satellitengruppe Max-Planck-Institut für Chemie, Mainz

Verteilung der vom Kasatochi ausgestoßenen Schwefeldioxid-Emissionen eine Woche nach dem Ausbruch. Die Daten stammen vom Satelliten GOME-2. Die Farbskala reicht von 0 bis 3x10 hoch 17 Moleküle /Quadratzentimeter. Das Kreuz oben in der Mitte markiert die Position des Vulkans Kasatochi.

03.05.2010: Mit seinem einmaligen Messcontainer CARIBIC konnte das Max-Planck-Institut für Chemie erstmals Schwefeldioxidmessungen des Satelliten GOME-2 direkt überprüfen. Die gute Übereinstimmung der Daten festigt das Vertrauen in solche Satellitendaten. Die regelmäßig mit dem CARIBIC Container bestückte Maschine der Lufthansa flog kurz vor dem Landeanflug auf Frankfurt am 15. August 2008 durch die Abgasfahne des alaskanischen Vulkans Kasatochi. Drei Stunden später vermaß auch der Satellit GOME-2 die Wolke. Die Ergebnisse wurden jetzt im Online Journal Atmospheric Chemistry and Physics veröffentlicht.

Für Beobachtungen der Erdatmosphäre und des Klimas sind Satelliten unerlässlich. Sie liefern weltweite Daten über die Erde, insbesondere die Konzentration verschiedener Treibhaus- und anderer Spurengase. Die spektakulären Bilder, die sie liefern, schaffen großes Vertrauen in die Daten, die die Spione aus dem All liefern. Dabei sind komplizierte mathematische Berechnungen nötig, um die gewünschten Information zu extrahieren. Nicht immer wissen die Wissenschaftler, wie groß der Fehler ist. Durch einen Glücksfall, den Durchzug einer Vulkanwolke mit hohem Schwefeldioxidgehalt über Frankfurt, konnten Wissenschaftler des Max-Planck-Institut für Chemie in Mainz einen Vergleichstest durchführen. Für den Sponsor Fraport AG, der das Projekt mit 600.000 Euro unterstützt, stellte der Vorstandsvorsitzende Dr. Stefan Schulte die Bedeutung einer umfassenden Datensammlung für den Luftverkehr heraus: „Die Nachfrage nach Luftverkehrsdienstleistungen wird auch in den nächsten Jahrzehnten weiter steigen. Unsere Aufgabe ist es, dieses Wachstum im Einklang mit unserer Verantwortung für eine nachhaltige Entwicklung sicherzustellen. Als Flughafenbetreiber stellen wir uns dieser Verantwortung und haben deshalb zum Gelingen des Projekts erheblich finanziell beigetragen.“

„Ein bisschen fühlen wir uns bei dieser Arbeit wie Stiftung Warentest“, sagt CARIBIC-Projektleiter Dr. Carl Brenninkmeijer. „Wir nutzen für CARIBIC dieselbe Messtechnik wie bei GOME-2, um die Gaskonzentration in der Atmosphäre zu bestimmen: Spektralanalysen des Sonnenlichtes mittels Differential Optischer Absorptions Spektroskopie, kurz DOAS“. Die Bedingungen und Berechnungen sind jedoch andere, da das Flugzeug in wesentlich geringerer Höhe fliegt. Zum Vergleich: Das Flugzeug flog in ca. 11 Kilometern, der Satellit in 817 Kilometern Höhe. „Die Tatsache, dass die Daten von Satellit und Flugzeugcontainer nur um sieben Prozent abweichen, bestätigt sowohl unsere als auch die Satellitenumrechnungen“, führt Dr. Klaus-Peter Heue aus. Gemessen haben die Wissenschaftler in beiden Fällen die sogenannte Säulendichte des Schwefeldioxids. Das ist die gesamte Menge an Schwefeldioxid, die sich in der Luftsäule über einem bestimmten Fleck der Erde befindet, vom Boden bis in die oberen Höhen der Atmosphäre.

„Schwefeldioxid ist nicht gerade das häufigste Gas in der Atmosphäre und daher war es für uns solch ein Glücksfall mit dem Messcontainer direkt durch die Vulkanwolke zu fliegen“ so Klaus-Peter Heue. „Da unser Messgerät direkt vor Ort war, gab es wesentlich weniger Störeinflüsse. Bodenmessungen wären in diesem Falle sogar unmöglich gewesen, da sich unterhalb der Vulkanwolke normale Wolken befanden.“ Die Schwefeldioxid-Konzentration in der Wolke lag mit 100 ppb - also ein Teil pro eine Milliarde Teilchen Luft - etwa um den Faktor 1000 über der natürlichen Konzentration. Und das obwohl die Vulkanwolke bereits von der entgegengesetzten Seite der Nordhalbkugel nach Frankfurt transportiert worden war.

Das Gas Schwefeldioxid ist für Klimaforscher interessant, da es zu Partikelbildung führt (Aerosole), die einen kühlenden Effekt auf die Erde haben. Große Vulkanausbrüche wie der des Pinatubo 1991 schleudern Schwefelwolken bis über die Wetterschicht der Atmosphäre in die Stratosphäre, wo die Teilchen über Jahre schweben und als eine Art Sonnenschirm fungieren. Die Schwefeldioxid-Konzentration steigt jedoch momentan unter anderem an, weil schwefelhaltige Steinkohle zur Energieerzeugung genutzt wird. Im Jahre 2006 forderte der Nobelpreisträger Paul Crutzen, den weltweiten Kreislauf von Schwefel besser zu erforschen. Provozierend schlug er vor, als letzten Rettungsanker Schwefelteilchen in die Atmosphäre zu schießen, um einen künstlichen Sonnenschirm aufzuspannen.

Kontakt / Infos anfordern

Fordern Sie gratis weitere Informationen an:

Fakten, Hintergründe, Dossiers
  • chemistry
  • Aerosole
Mehr über Max-Planck-Gesellschaft
Kontakt
Max-Planck-Gesellschaft zur Förderung der Wissenschaften e.V.
Hofgartenstraße 8
80539 München
DEUTSCHLAND
Tel.
+49892108-0
Fax
+49892108-1111
  • News

    Genetischer Fingerabdruck verrät neue ertragreiche Maissorten

    Beim Mais sagt die Leistung der Eltern wenig über den Erfolg der Kinder voraus: Selbst schwache Elternpflanzen können nach der Kreuzung durchaus die stärksten Nachkommen hervorbringen. Doch bei Weitem nicht alle Pflanzen sind geeignete Eltern. Jede Einzelne muss erst in aufwändigen Kreuzung ... mehr

    Ein flächendeckendes Modell-Enzym

    Aus einem chemischen Dilemma könnte sich nun ein Ausweg abzeichnen. Ein internationales Team um Wissenschaftler des Max-Planck-Instituts für Festkörperforschung in Stuttgart hat die Vorteile zweier verschiedenartiger Katalysatoren, die chemische Reaktionen beschleunigen und oft in eine gewü ... mehr

    Im Zentrum der biologischen Stickstoffchemie

    Wie einige Bakterien den Stickstoff der Luft in biologisch brauchbare Verbindungen umwandeln, wird nun klarer. Ein internationales Forscherteam, an dem auch Wissenschaftler des Max-Planck-Instituts für bioanorganische Chemie in Mülheim an der Ruhr beteiligt waren, hat das letzte Detail im B ... mehr

Mehr über MPI für Chemie
Kontakt
Max-Planck-Institut für Chemie
Hahn-Meitner-Weg 1
55128 Mainz
DEUTSCHLAND
Tel.
+496131305-0
Fax
+496131305-388
  • News

    Recycling im tiefen Erdinnern läuft schneller als gedacht

    Das Geo-Recycling läuft in Vulkanen viel schneller ab, als Wissenschaftler bislang annahmen. Gestein des Erdmantels, das wegen der Bewegung der Erdplatten ins Erdinnere absinkt, gelangt über Vulkane bereits nach rund 500 Millionen Jahren wieder an die Erdoberfläche. Das haben  Forscher des ... mehr

    Bleichmittel in der isländischen Vulkanwolke

    Gut ein Jahr nachdem der isländische Vulkan Eyjafjallajökull fast den ganzen europäischen Flugverkehr lahmlegte, sorgt seine Aschewolke für eine interessante Entdeckung: Forscher des Max-Planck-Instituts für Chemie haben festgestellt, dass die Aschewolke des Vulkans neben dem bekannten Vulk ... mehr

    Amazonas macht seine Wolken selbst

    Der Wald im Amazonas macht seinen Regen selbst. Aerosolpartikel, an denen sich in der Atmosphäre Wolken und Niederschlag bilden, bestehen dort zur Regenzeit hauptsächlich aus organischen Substanzen. Und die setzt der Wald selbst frei. Das haben Forscher des Max-Planck-Instituts für Chemie i ... mehr

Meistgelesene News
Ihr Bowser ist nicht aktuell. Microsoft Internet Explorer 6.0 unterstützt einige Funktionen auf Chemie.DE nicht.