04.01.2016 - Trinity College Dublin

Wissenschaftler entschlüsseln das erste irische menschliche Erbgut aus der Zeit des Altertums

Ein Team von Genetikern am Trinity College Dublin und Archäologen an der Queens University Belfast hat die ersten Genome von irischen Menschen aus dem Altertum entschlüsselt, und die darin verborgenen Informationen beantworten bereits entscheidende Fragen über den Ursprung der irischen Menschen und ihrer Kultur.

Das Team entschlüsselte sowohl die Genome einer Landwirtin aus der Frühgeschichte, die vor etwa 5.200 Jahren in der Nähe von Belfast lebte, als auch die Genome von drei Männern aus einem späteren Zeitalter vor rund 4.000 Jahren in der Bronzezeit, nach der Einführung der Metallbearbeitung. Die herausragenden Ergebnisse dieser Untersuchung wurden in der internationalen Fachzeitschrift Proceedings of the National Academy of Sciences of the United States of America veröffentlicht.

Irland verfügt über eine hochinteressante Genetik. Es liegt am Rande der vielen europäischen genetischen Gradienten mit Welt-Maxima für diejenigen Varianten, welche als Code für Laktose-Toleranz dienen, dem westeuropäischen Y-Chromosom-Typ, und mehreren wichtigen genetischen Krankheiten, einschließlich einer übermäßigen Eisenretention namens Hämochromatose.

Die Ursprünge dieses Erbes sind jedoch unbekannt. Die einzige Möglichkeit, unsere genetische Vergangenheit zu entdecken, besteht darin, Genome direkt von Menschen aus dem Altertum zu entschlüsseln. Man muss sich sozusagen auf eine Art genetische Zeitreise begeben.

Migration ist ein heißes Thema in der Archäologie. Es gibt geteilte Meinungen, ob die großen Übergangsphasen auf den britischen Inseln von einem Jäger-Sammler-Lebensstil zu einem Lebensstil, der auf der Basis von Landwirtschaft beruhte, und der sich später von der Steinnutzung zur Metallnutzung entwickelte, örtlich aufgrund einer Übernahme von neuen Wegen passierten, oder ob diese Einflüsse vom Zustrom neuer Siedler abgeleitet wurden.

Die irischen Genome, die aus der Zeit des Altertums stammen, zeigen jeweils eindeutige Beweise für massive Migration an. Die Mehrheit von Landwirten aus der Frühgeschichte weist letztendlich einen Abstammungs-Ursprung aus dem Nahen Osten auf, also dort, wo die Landwirtschaft erfunden wurde. Die Bronzezeit-Genome unterscheiden sich von diesen wiederum mit der Tatsache, dass etwa ein Drittel der Vorfahren aus alten Quellen in der pontischen Steppe abstammte.

"Es gab eine große Welle der Genomveränderung, die nach Europa von oben über das Schwarze Meer in die Bronzezeit Europas hineinfloss. Wir wissen jetzt, dass sich diese Welle den ganzen Weg bis hin zu den Ufern der westlichsten Insel ausbreitete", sagte Dan Bradley, Professor der Populationsgenetik am Trinity College Dublin, der die Studie leitete. "Und dieser Grad der genetischen Veränderung weist auf die Möglichkeit von anderen, damit verbundenen Veränderungen hin, vielleicht sogar auf die Einführung der Sprachen, die von den westkeltischen Ahnen angewandt wurden."

"Es ist klar, dass dieses Projekt gezeigt hat, was für ein leistungsfähiges Werkzeug altertümliche DNA-Analyse sein kann, wenn es um die Beantwortung von Fragen geht, die Wissenschaftler lange Zeit ratlos Vermutungen über die Ursprünge der irischen Sprache anstellen ließ", sagte Dr. Eileen Murphy, Dozentin in Osteoarchäologie an der Queens University Belfast.

Während die Landwirte aus der Frühgeschichte schwarze Haare und braune Augen hatten, und mehr den Südeuropäern ähnlich waren, zeigten die genetische Varianten der drei Bronzezeit-Männer von Rathlin Island den häufigsten irischen Y-Chromosom-Typ an, ebenso wie blaue Augen-Allele, und die wichtigste Variante für die genetische Krankheit Hämochromatose.

Letztere C282Y-Mutation kommt bei Menschen irischer Abstammung so häufig vor, dass sie manchmal als keltische Krankheit bezeichnet wird. Diese Entdeckung markiert somit die erste Identifizierung einer wichtigen Krankheitsvariante in der Vorgeschichte.

"Die genetische Verwandtschaft ist zwischen den Bronzezeit-Genomen und dem modernen irischen, schottischen und walisischen Erbgut am stärksten, was auf eine Einrichtung von zentralen Attributen eines inselkeltischen Genoms vor etwa 4.000 Jahren hindeutet", fügte Lara Cassidy, Doktorandin am Institut für Genetik am Trinity College, hinzu.

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