13.12.2010 - Bayerisches Landesamt für Gesundheit und Lebensmittelsicherheit

Nachweismethoden für Allergie auslösende Stoffe verbessern

BfR und LGL entwickeln Testsysteme

Mit der Entwicklung von Analysemethoden zum Nachweis Allergien auslösender Stoffe in Lebensmitteln befassten sich Experten auf einer gemeinsamen Veranstaltung des Bundesinstituts für Risikobewertung (BfR) und des Bayerischen Landesamtes für Gesundheit und Lebensmittelsicherheit (LGL) in Berlin. Die Kennzeichnung von Allergenen auf Lebensmittelverpackungen ist gesetzlich vorgeschrieben. Ihre Überprüfung ist nur mit Hilfe geeigneter Nachweismethoden möglich. „Allergien nehmen in der Bevölkerung zu; deswegen kommt dem Nachweis von bekanntermaßen Allergie auslösenden Stoffen eine bedeutende Rolle im gesundheitlichen Verbraucherschutz zu“, sagt BfR-Präsident Professor Dr. Dr. Andreas Hensel. Auf dem zweitägigen Workshop „Allergene in Lebensmitteln - Aktuelle Entwicklungen in der Analytik“ in Berlin wurden Möglichkeiten für erste Testsysteme vorgestellt.

Bei hoch allergischen Personen reichen Spuren eines Lebensmittels aus, um einen lebensbedrohlichen allergischen Schock auszulösen. Ein Ziel des Nationalen Aktionsplans gegen Allergien des Bundesministeriums für Ernährung, Landwirtschaft und Verbraucherschutz (BMELV) ist es daher, die Kennzeichnung allergener Stoffe auf Lebensmitteln zu verbessern, damit sich Betroffene besser vor solchen Stoffen schützen können. Die bisher gültige Regelung sieht vor, dass Spuren allergener Stoffe gekennzeichnet werden müssen, wenn das Risiko besteht, dass diese bei der Lebensmittelherstellung unbeabsichtigt in das Produkt gelangen. Dies ist etwa der Fall, wenn auf demselben Produktionsband nacheinander zwei verschiedene Schokoladensorten hergestellt werden, von denen die erste Nüsse enthält. Spuren der Nüsse können dann in die zweite Schokolade gelangen. Ob diese Spuren tatsächlich vorhanden sind, lässt sich derzeit mit amtlichen Methoden für Haselnüsse zwar nachweisen, ebenso wie für Erdnüsse und Sellerie. Für viele andere allergene Bestandteile gibt es solche Nachweismethoden aber noch nicht. Hersteller kennzeichnen deswegen vorsichtshalber ihre Produkte mit pauschalen Angaben wie „Kann Spuren von Haselnüssen enthalten“. Für Allergiker bedeutet eine pauschale Kennzeichnung eine unnötige Einschränkung bei der Lebensmittelwahl.

Zwei Forschungsprojekte sollen nun Abhilfe schaffen. So entwickelt das Bayerische LGL derzeit zusammen mit anderen wissenschaftlichen Einrichtungen einen Schnellnachweis zur Mengenbestimmung allergener Stoffe in Lebensmitteln in der gesamten Produktionskette auf Basis der PCR-Methode (Polymerase-Kettenreaktion). Gegenwärtig werden die entwickelten Methoden, in der Praxis erprobt. Das BfR arbeitet mit zwei Projektpartnern an der Entwicklung und Standardisierung von besonders einfach anzuwendenden Schnelltests („screening“) zum Nachweis von Allergenen. Dabei werden Extrakte des zu untersuchenden Lebensmittels auf einen Teststreifen aufgebracht, der innerhalb von zehn Minuten anzeigt, ob ein Allergen enthalten ist und wenn ja, welches. Ein speziell ausgestattetes Labor für ein erstes schnelles Ergebnis ist nicht notwendig, der Test kann vor Ort erfolgen. Daneben werden neue, moderne Analyseverfahren erarbeitet, die das Erbgut der Allergie auslösenden Stoffe mit großer Sicherheit auch in stark verarbeiteten Lebensmitteln erkennen. Dazu wird in der PCR spezifisch das Erbgut millionenfach kopiert. Vorteil: Alle dazu benötigten Reagenzien sind überall erhältlich, die Methoden können somit von Herstellern und Kontrolleuren weltweit eingesetzt werden. Die Methoden sollen darüber hinaus so empfindlich messen, dass Allergene auch im Spurenbereich von ppm (parts per million) nachgewiesen werden. Außerdem können verschiedene Allergene parallel analysiert werden, darunter auch solche, die bisher nur schwer festzustellen waren. Bisher ist am BfR ein System entwickelt worden, das die am häufigsten vorkommenden Allergene in Schokoladen parallel in nur einer Analyse nachweisen kann.

In den kommenden beiden Jahren steht vor allem die Standardisierung der entwickelten „Screening“-Verfahren im Fokus. Denn nur robuste und standardisierte Methoden können von möglichst vielen Herstellern in der Produktion und von den Behörden in der amtlichen Kontrolle eingesetzt werden.

Bayerisches Landesamt für Gesundheit und Lebensmittelsicherheit

News weiterempfehlen PDF Ansicht / Drucken

Teilen bei

Mehr über Bayerisches Landesamt für Gesundheit und Lebensmittelsicherheit
  • News

    Bio-Betrügern auf der Spur

    Bio-Essen boomt – aber ist die viel teurere Bio-Tomate auch wirklich eine? Das lässt sich mit einer Analysetechnik herausfinden, an der Würzburger Wissenschaftler arbeiten. Die Nachfrage nach Bio-Lebensmitteln steigt. Weltweit hat sie sich zwischen den Jahren 2002 und 2011 fast verdreifacht ... mehr

  • Stellenangebote

    Toxikologe/-in (m/w/d)

    Das Bayerische Landesamt für Gesundheit und Lebens­mittel­sicherheit (LGL) sucht für das Sachgebiet K3 „Forschungs­koordination, Risiko­bewertung, Webredaktion“ in Erlangen zum nächst­möglichen Zeit­punkt eine/n Toxikologen/-in. Die Stabsstelle Präsidial­büro, Koordination und Strategie (Ab ... mehr

Mehr über BfR
  • News

    Neuartige Verfahren zur Authentifizierung von Lebensmitteln auf dem Weg zur Standardisierung

    Ob Olivenöl aus Apulien, Pata Negra-Schinken aus Spanien oder 12-jähriger Single-Malt-Whisky von den schottischen Orkney-Inseln - typisch für all diese Lebensmittel sind ihre Qualität und ihr hoher Preis. Das macht sie wie viele andere Lebensmittel von Fisch über Honig bis hin zu Fleisch at ... mehr

    Lebensmittelfälschern auf der Spur

    Für Behörden und Unternehmen ergibt sich durch die zunehmend globalisierten Futter- und Lebensmittellieferketten die Notwendigkeit, neue valide Lösungsansätze zur Gewährleistung der Authentizität von verarbeiteten Lebensmitteln zu entwickeln. Die Futter- und Lebensmittelkrisen der letzten J ... mehr

    Milzbrand, Hasenpest und Brucellose

    Infektionskrankheiten wie Milzbrand, Tularämie (Hasenpest) und Brucellose treten in Deutschland zwar nur selten auf, aber die Erreger können großen Schaden anrichten, wenn sie versehentlich oder vorsätzlich in die Lebensmittelkette eingetragen werden. Als Ursachen für solche Kontaminationen ... mehr