Darmkrebs: Diagnostik verbessert

02.03.2009

Jeder Dritte, der eine Erkrankung mit Dickdarmkrebs überlebt, bekommt später Metastasen. Diese sind in einem Punkt immer mit dem Anfangstumor identisch, wie Würzburger Mediziner herausgefunden haben. Für Diagnostik und Therapie hat das Konsequenzen.

Rund 60 Prozent aller Tumoren des Dickdarms sprechen auf eine spezielle Behandlung an: Den Patienten wird dabei zusätzlich zur Chemotherapie ein Antikörper verabreicht, der sich an das so genannte EGF-Protein der Tumorzellen bindet. Deren Wachstum wird dadurch blockiert.

Seit Anfang 2008 ist dieser Antikörper in Deutschland zur Behandlung von metastasiertem Dickdarmkrebs zugelassen. Erst kurz vorher hatte man herausgefunden, welche Patienten auf den Antikörper ansprechen und welche nicht: Immer wenn in den Tumoren das Gen KRAS mutiert ist, versagt der Antikörper. Stellen Pathologen diese Mutation bei der Untersuchung des Tumorgewebes fest, so ist eine Therapie mit dem Antikörper von vornherein aussichtslos.

Metastasierung: KRAS-Gen verändert sich nicht

Mediziner von der Universität Würzburg haben jetzt entdeckt: Wenn bei Dickdarmkrebs-Patienten Metastasen auftreten, dann sieht deren KRAS-Gen immer so aus wie im Anfangstumor: War es dort mutiert, ist es in den Metastasen ebenfalls mutiert. War das Gen im Tumor normal, dann ist das auch in den Metastasen so.

"Selbstverständlich ist dieses Phänomen nicht, denn manche Tumoren verändern bei der Metastasierung ihre Eigenschaften", sagt Pathologie-Professor Stefan Gattenlöhner von der Universität Würzburg.

Dass der Zustand des KRAS-Gens in den Metastasen immer der gleiche ist wie im Anfangstumor, hat Stefan Gattenlöhner gemeinsam mit den Würzburger Professoren Hans Konrad Müller-Hermelink (Pathologie) und Christoph-Thomas Germer (Chirurgie) herausgefunden. Die Wissenschaftler hatten dafür die Tumoren von 106 Dickdarmkrebs-Patienten mit insgesamt 268 Metastasen verglichen, die an verschiedenen Stellen des Körpers gewachsen waren.

Konsequenzen für die Behandlung

Diese neue Erkenntnis lässt sich für die Therapie nutzen, wie Stefan Gattenlöhner erklärt: "Denken Sie sich einen Patienten, der vor sechs Jahren einen Dickdarmkrebs überstanden hat. Jetzt ist er wieder in Behandlung, weil in seiner Lunge und in der Leber Metastasen sitzen. Um herauszufinden, ob ihm die neue Antikörper-Therapie etwas bringen würde, müssen wir erst gar keine Gewebeproben aus den Metastasen entnehmen - was im Übrigen auch nicht immer machbar ist. Stattdessen können wir das Gewebe des Anfangstumors untersuchen, denn das wird in den Kliniken aufbewahrt. Wenn in diesem Gewebe das KRAS-Gen unverändert ist, dann gilt das auch für die aktuellen Metastasen des Patienten. Also wird die Antikörper-Therapie bei ihm wirken."

Die Antikörper-Therapie

"Der EGFR-Antikörper hat ein starkes Potenzial gegen Tumoren", sagt Stefan Gattenlöhner. Bei einer Studie sei sogar beobachtet worden, dass sich Lebermetastasen zurückbildeten, nachdem die Patienten ausschließlich mit dem Antikörper behandelt wurden. Wenn sich dieser Effekt in weiteren Untersuchungen bestätigt, könnte der Antikörper zukünftig vielleicht zur alleinigen Therapieform bei metastasiertem Dickdarmkrebs werden.

Der Einsatz des Antikörpers birgt allerdings auch ein mögliches Risiko: In den Patienten, die von der Therapie profitieren, könnte es auch einige wenige Krebszellen geben, die dem Antikörper widerstehen. Dann würde im Lauf der Behandlung eventuell eine resistente Gruppe von Krebszellen "herangezüchtet". Ob das in der Realität passiert, wollen die Würzburger Forscher im Blick behalten.

Originalveröffentlichung: Gattenlöhner S., Germer C., Müller-Hermelink H-K; "K-ras Mutations and Cetuximab in Colorectal Cancer"; New England Journal of Medicine, 19. Februar 2009, Vol. 360, Seiten 833-836

Julius-Maximilians-Universität Würzburg

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