Wenn Mineralwasser schlecht schmeckt

06.08.2008

Lässt man Mineralwasserflaschen in der Sonne stehen, entwickelt das Wasser oft einen unangenehmen Geschmack. Woher dieser kommt, war bislang unbekannt. Nun gibt es Hinweise, worauf das Fehlaroma zurückzuführen ist und wie sich seine Entstehung verhindern lässt.

Jeder Deutsche hat im Jahr 2007 im Schnitt 172,4 Liter Mineralwasser getrunken. Der Verbraucher erwartet, dass es sowohl erfrischend als auch durstlöschend ist und keinen auffälligen Eigengeschmack hat. Um alle riechenden Flaschen auszusortieren, setzt die Industrie automatische "Mehrweg-Sniffer" in den Abfüllanlagen ein. Trotzdem zeigten Verkostungen durch die Stiftung Warentest, dass immer wieder störende Aromen im Mineralwasser auftreten können. Untersuchungen des Fraunhofer-Instituts für Verfahrenstechnik und Verpackung IVV in Freising haben dies bestätigt: 43 Prozent der getesteten Proben weisen einen "kunststoffartigen" Geruch auf, Fachleute sprechen von "Sonnenlichtaroma", bei fünf Prozent waren ein "muffiger, modrig, schimmeliger Geschmack" und bei 14 Prozent eine "fruchtige Geschmacksnote" festzustellen.

Andrea Strube vom IVV hat nun die Stoffe identifiziert, die das "Sonnenlichtaroma" verursachen. "Seine Entstehung wird durch direkte Sonnenbestrahlung beschleunigt", so die Chemikerin. "Jeder kennt das: Lässt man eine Plastikflasche länger in der Sonne liegen, schmeckt das Getränk anschließend unangenehm nach Kunststoff." Bisher nahm man an, dass dafür das Gleitmittel verantwortlich ist: Es wird auf die Flaschenverschlüsse gegeben, damit man sie mit normalem Kraftaufwand öffnen kann. Strube analysierte den Geruch, indem sie die flüchtigen Substanzen in ihre Einzelkomponenten aufspaltete. Beim Test dieser Komponenten durch die menschliche Nase zeigte sich, dass die störenden Bestandteile gleich auf mehrere chemische Verbindungen zurückzuführen sind - der Kunststoffgeruch kommt nicht allein vom Gleitmittel. Strube vermutet, dass Verunreinigungen des Gleitmittels oder andere Verpackungs-Additive ihn auslösen.

Auch muffige Komponenten zu vermeiden, ist nicht einfach. Diese bilden sich meist, nachdem Verbraucher in den PET-Mehrwegflaschen Fruchtsäfte oder andere Getränke aufbewahrt haben. Bleiben Reste in der Flasche zurück, können diese Schimmel ansetzen. Die dabei entstehenden Geruchsstoffe dringen in die Flaschenwand ein und werden später an das Mineralwasser abgegeben. Die Mehrweg-Sniffer in den Abfüllanlagen können diese Flaschen nicht erkennen, weil die Konzentration der Aromen in der Luft dafür viel zu niedrig ist. Allein die menschlichen Sinne können sie wahrnehmen. Strube konnte die verantwortlichen Substanzen identifizieren und sucht jetzt nach den Mikroorganismen, die sie produzieren. "Wir hoffen so eine Möglichkeit zu finden, schlecht riechende Flaschen automatisch zu erkennen."

Fraunhofer-Gesellschaft zur Förderung der angewandten Forschung e.V.

News weiterempfehlen PDF Ansicht / Drucken

Teilen bei

Fakten, Hintergründe, Dossiers
  • Wasser
  • Verfahrenstechnik
  • Stiftung Warentest
  • Mikroorganismen
  • Konzentration
  • Fraunhofer
  • Additive
Mehr über Fraunhofer-Gesellschaft
  • News

    Sensor in Größe eines Stickstoff-Atoms prüft Festplatten

    Elektronische Bauteile werden immer kleiner. Die Quantentechnologie eröffnet neue Wege in die Miniaturisierung. Ein Quantensensor von Fraunhofer-Forschern soll schon bald winzige Magnetfelder, wie sie etwa auf zukünftigen Festplatten vorkommen, vermessen können. Integrierte Schaltkreise we ... mehr

    Lackentwicklung: Wettbewerbsvorteil durch neuartiges Messverfahren

    Mit einem am Fraunhofer IPA entwickelten neuartigen Mess- und Auswerteverfahren kann erstmals für alle Lacke das Verlaufsverhalten aus den Lackeigenschaften vorhergesagt werden. Bei der Entwicklung eines Lackes können mit dem Verfahren durchschnittlich 15 Prozent Entwicklungszeit und 150.00 ... mehr

    Future Work Lab erneut ausgezeichnet

    Das Future Work Lab ist mit dem Preis des Wettbewerbs »100 Orte für die Industrie 4.0 in Baden-Württemberg« ausgezeichnet. In dem Innovationslabor für Arbeit, Mensch und Technik der Fraunhofer-Institute IAO und IPA erfahren Interessierte live vor Ort wie die Industriearbeit der Zukunft auss ... mehr

Mehr über Fraunhofer-Institut IVV
  • News

    Labor im Beutel

    Humane Stammzellen gelten als Hoffnungsträger der Medizin – in Zukunft sollen sie die Therapie von vielen Leiden wie etwa neurodegenerativen Erkrankungen ermöglichen. Mit LabBag® haben Fraunhofer-Forscher ein All-in-One-System in Form eines transparenten Beutels entwickelt, in dem sich Stam ... mehr

    Extreme Barriere-Eigenschaften überwinden

    Eine Permeationsrate von Sauerstoff mit sehr niedrigen Nachweisgrenzen von 0,5 ppm (Gasphase) messen zu können, eröffnet neue Möglichkeiten: Wenn sich die Sauerstoffmenge, die durch spezielle synthetische Materialien dringt, minimieren lässt, dann kann die Haltbarkeitsdauer von Produkten er ... mehr

    Prüfnorm zur optischen Permeationsmessung an Kunststoffverpackungen als Merkblatt erschienen

    Die Industrievereinigung für Lebensmitteltechnologie und Verpackung e.V. IVLV hat eine Norm zur „Prüfung von Kunststoffen – Bestimmung der Sauerstoffdurchlässigkeit – optisches Verfahren zur Messung an Packstoffen (Folien und Formteile)“ herausgegeben. Das Fraunhofer-Institut für Verfahrens ... mehr

Ihr Bowser ist nicht aktuell. Microsoft Internet Explorer 6.0 unterstützt einige Funktionen auf Chemie.DE nicht.