Elektro- und Elektronikschrott systematisch analysieren

Die Bestimmung gefährlicher Substanzen nach WEEE und RoHS

Uwe Oppermann, Marion Egelkraut-Holtus, Margit Geissler, Johannes Hesper

Einleitung

Die Europäische Union hat in ihrem Amtsblatt vom 13. Februar 2003 offiziell die neuen Verordnungen über Elektro- und Elektronik-Altgeräte (WEEE, Waste Electrical and Electronic Equipment) und über die Beschränkung der Verwendung gefährlicher Substanzen in Elektro- und Elektronikgeräten (RoHS, Restriction of the use of certain Hazardous Substances in electrical and electronic equipment) bekannt gegeben. Damit sind beide Verordnungen in der EU in Kraft getreten und wurden endgültig im Januar 2005 in nationales Recht umgesetzt.

Die Richtlinien sehen vor, dass Verbraucher elektrische und elektronische Altgeräte kostenfrei an die Hersteller zurückgeben können. Die Hersteller und Importeure finanzieren nach Ablauf einer Übergangsfrist die Behandlung, Verwertung und umweltgerechte Entsorgung der Altgeräte. Für Alt-/Alt-Geräte, die bereits vor Inkrafttreten der Richtlinie in den Verkehr gebracht wurden, sollen alle Hersteller gemeinsam zuständig sein. Für Investitionsgüter können bilaterale Vereinbarungen getroffen werden. Die Mindestquote für die Sammlung beträgt vier Kilogramm je Einwohner und Jahr. Für die Wiederverwendung und das Recycling gelten Mindestquoten. Der Geltungsbereich umfasst Elektro-Hausgeräte, Unterhaltungselektronik, IT- und Telekommunikationsgeräte, Lampen und Leuchten, Elektrowerkzeuge, Spielzeug, Geräte der Elektromedizin, Überwachungs- und Kontrollinstrumente sowie Automaten.

Nach der RoHS werden ab 1. Juli 2006 Blei, Quecksilber, Cadmium, sechswertiges Chrom, polybromierte Biphenyle (PBB) und polybromierte Diphenylether (PBDE) verboten. Die RoHS gilt allerdings nicht für alle in der WEEE aufgeführten zehn Gerätekategorien. Artikel 2 der RoHS besagt, dass die Gerätekategorien 8 (medizinische Geräte) und 9 (Überwachungs- und Kontrollinstrumente) zunächst von den Festlegungen der RoHS- Richtlinie, also auch vom Bleiverbot, ausgenommen sind. Das bedeutet, dass zusammen mit den in der Anlage der RoHS-Richtlinie zitierten Ausnahmeregelungen (Server, Speichersysteme, Netzinfrastrukturausrüstungen im Telekommunikationsbereich) doch eine erhebliche Bandbreite von Lücken besteht, in die auch viele Produkte für die Luftfahrt, Eisenbahn, KFZ- und Automatisierungstechnik fallen.

Shimadzu als einer der weltweit führenden Hersteller Instrumenteller Analytik bietet hier mit einem vollständigen Produktangebot die gesamte Hardware und Software zur sicheren Bestimmung gefährlicher Substanzen in Elektro- und Elektronikgeräten sowie Elektroschrott.

Systemkonfigurationen zur Bestimmung gefährlicher Substanzen

Zur Durchsetzung der Stoffverbote bzw. Einschränkung oder Substitution gefährlicher Stoffe wie Quecksilber, Cadmium und Blei, ist die Elementanalytik das wichtigste Kontrollinstrument für die Überwachung von Grenzwerten. Hier sind präzise Analysensysteme gefragt, etwa Röntgenfluoreszenz, ICP- und Atomabsorptions-Spektrometer, die in der Lage sind, kleinste Konzentrationen gefährlicher Substanzen nachzuweisen, so beispielsweise Cadmium mit einem Atomabsorptions-Spektrometer in Flammenatomisierung bis 0,1 mg/l, oder bei Einsatz der digitalen Graphitrohrtechnik mit elektrothermischer Atomisierung sogar bis zu 0,1 µg/l.

Für die Bestimmung des sechswertigen Chroms eignet sich die UV-VIS-Spektrometrie und kann in der Routine mit einem UVmini-1240 schnell und einfach durchgeführt werden.

Polybromierte Biphenyle sowie polybromierte Diphenylether werden mit FTIR Spektrometern wie dem IRPrestige-21 oder GCMS Systemen (QP2010) analysiert.

Energiedispersive Röntgenfluoreszenz-Spektrometrie

Die Leistungsfähigkeit der Röntgenfluoreszenz-Spektrometrie als schnelle Screening-Methode wird am Beispiel der Schwermetallanalytik nach der Richtlinie zur Beschränkung der Verwendung bestimmter gefährlicher Substanzen in elektrischen und elektronischen Geräten (RoHS) mit einer Cadmium-Messreihe in Sicolen vorgestellt. Rote, orange und auch grüne Polymere können Cadmium-Verbindungen als Pigmente oder als Stabilisator enthalten. Gerade bei "älteren" Werkstoffen in der Elektro- und Elektronikindustrie werden Cadmium-Konzentrationen von mehreren Prozent erreicht.

Abbildung 1: Probenraum des EDX-700HS.

So wie das Element Cadmium bzw. die gefährlichen Substanzen nach RoHS können im Grunde alle Elemente von 6C/11Na bis 92U quantitativ durch energiedispersive Röntgenfluoreszenz-Analyse wie der EDX-Serie von Shimadzu (EDX-700HS / -800HS / -900HS) bestimmt werden, häufig ohne Probenvorbereitung, schnell und zerstörungsfrei. Für die Untersuchung von Kunststoffbauteilen wie Gehäusen oder Kabelisolierungen wird die Probe direkt im Probenraum positioniert (Abbildung 1).

Die zu untersuchende Probe wird von unten mit energiereicher Röntgenstrahlung bestrahlt. Trifft sie dabei auf ein Atom, wird ein Elektron aus den untersten Energieniveaus der K- und L- Schale energetisch so weit angehoben, dass es seine Position verlässt. Das dadurch entstehende "Loch" füllt sofort ein Elektron aus einer höheren Schale auf. Dieser Vorgang setzt Energie frei. Sie wird Sekundärenergie oder auch Röntgenfluoreszenz-Energie genannt. Diese elementspezifische Fluoreszenzstrahlung entspricht im vorliegenden Beispiel der Energiedifferenz zwischen der K- und der L- Schale und wird als K(alpha)-Strahlung bezeichnet. Durch Kenntnis der Energieverhältnisse der einzelnen Elemente kann somit zuverlässig eine unbekannte Probe qualitativ analysiert werden. Die ausgesandte Fluoreszenzstrahlung ist proportional zur Elementmenge und kann deshalb auch zur quantitativen Analyse benutzt werden. Insgesamt wird die von der Probe erzeugte Röntgenfluoreszenz vom Halbleiterdetektor aufgefangen und vom MCA (Multi Channel Analyser) weiterverarbeitet. Dabei spielt es keine Rolle, ob es sich bei der Probe um einen Feststoff oder eine Flüssigkeit handelt.

Prinzipiell sind zwei verschiedene Auswerteverfahren möglich. Bei der qualitativen Analyse berechnet das System alle Signale und ordnet sie den verschiedenen Elementen zu. Dabei reicht der Konzentrationsbereich von wenigen ppm bis zu 100% ohne Änderung der Messparameter. Beim zweiten Verfahren, der quantitativen Analyse berechnet das System über die Signalintensitäten bzw. über eine geeignete Kalibration die exakte Konzentration der zu bestimmenden Elemente.

Abbildung 2: Peakprofil von Cadmium in Kunststoffproben.

Am Beispiel der Untersuchung von Cadmium in einem Polymer wird die Leistungsfähigkeit der EDX-Analytik aufgezeigt. Das giftige Schwermetall Cadmium besitzt die intensivste Fluoreszenzbande bei Cd([Kr] 4d10 5s2): K(alpha) = 23.106 KeV. Abbildung 2 stellt ein typisches Signalprofil der K(alpha)-Linie des Cadmiums dar. Auf der X-Achse ist die charakteristische Energie in KeV (Kilo Elektronen-Volt) und auf der Y-Achse die Intensität des Signals in cps/µA (counts per second pro Mikro-Ampere) dargestellt.

Die ideale Probe für eine EDX-Messung ist flach, besitzt eine glatte Oberfläche, ist relativ dick (> 3 mm) und größer als der Strahldurchmesser (z.B. größer als 10 mm). Durch die Verwendung von Kollimatoren kann der Strahldurchmesser von 10 mm bis auf 0,3 mm verringert werden, was die Analyse von kleinen Proben signifikant verbessert. Die Methode der energiedispersiven Röntgenfluoreszenz eignet sich im Gegensatz zur wellenlängendispersiven Röntgenfluoreszenz aber auch für die Analyse von dünnen, gewellten und kleinen Proben (< 3 mm). In diesen Fällen wird die Background-Intensität der Röntgenstrahlung (Rhodium-Anode) und die Fluoreszenzstrahlung der Probe verwendet, um Änderungen in der absoluten Intensität der Signale, die von der Dicke oder Form der Probe stammen, zu korrigieren. Diese interne Background-Korrektur lässt sich komfortabel über die EDX-Software zuschalten.

Für die Untersuchung wurden Sicolen-Proben mit zertifizierten Cadmium- Konzentrationen vom Institut für Reference Materials and Measurements (IRMM) aus Geel, Belgien, verwendet (Tabelle 1).

Probe Cd-Konzentration [mg/kg] Referenznummer
Analyseverfahren
1-Gelb 40,9 ± 1,2 Sicolen Yellow 09/16493 IDMS, AAS
2-Rot 197,9 ± 4,8 Sicolen Red 39/16495 IDMS, AAS
3-Bordeaux 407 ± 12 Sicolen Bordeaux 49/16496 IDMS, AAS
Tabelle 1: Zertifizierte Cd-Konzentrationen in Sicolen
(IDMS: Isotope Dilution Mass Spectrometry, AAS: Atomic Absorption Spectrometry)

Die Cadmium-Standards sind für die in Abbildung 7 dargestellte Kalibration verwendet worden und zeigen im Konzentrationsbereich von 40,9 mg/kg bis 407 mg/kg eine sehr gute Linearität. Alle Messungen wurden mit einem primären Molybdän-Filter (Standard), 10 mm-Kollimator und 300 Sekunden Messzeit durchgeführt. Zur Überprüfung der Kalibration wurde eine weitere zertifizierte Cd-Probe mit dieser Methode quantitativ erfasst. Sicolen Orange (Ref. Nr. 28/16494) mit 75,9 ± 2,1 mg/kg Cadmium in Sicolen wurde auf gleiche Weise wie die Standards gemessen. Die quantitative Analyse ergibt eine Konzentration von 76,5 mg/kg (ppm) Cadmium. Damit liegt das Ergebnis innerhalb der zertifizierten Toleranz - ohne weitere Probenvorbereitung und bereits nach 300 Sekunden Messzeit.

Das zeigt, dass die energiedispersive Röntgenfluoreszenz- Spektrometrie (EDX) eine schnelle und zerstörungsfreie Methode zur quantitativen Bestimmung von Schwermetallen in Polymeren darstellt. Die hier dargestellten experimentellen Ergebnisse des Elementes Cadmium stehen repräsentativ für weitere schwere Elemente wie Blei, Quecksilber, Chrom und Brom, in Abhängigkeit von der Systemkonfiguration sogar für die komplette Elementanalytik von 6C/11Na bis 92U.

Atomabsorptionsspektrometrie

Für die quantitative Bestimmung der Schwermetalle Blei, Cadmium, Quecksilber und Chrom in Probenmaterial nach WEEE und RoHS ist die Atomabsorptions-Spektrometrie hervorragend geeignet. Sie stellt eine relative Methode der Quantifizierung dar und basiert auf dem Zusammenhang der Elementkonzentration und der Absorption gemäß dem Lambert-Beerschen Gesetz. Prinzipiell wird für jedes zu bestimmende Element eine Kalibrationskurve im gewünschten Konzentrationsbereich erstellt, und alle unbekannten Proben mittels dieser Kalibrierfunktion ausgewertet. Grundvoraussetzung für richtige Ergebnisse ist hierbei, dass Kalibrierstandards und Proben in Bezug auf die Begleitelemente und Matrix gleiche Zusammensetzung aufweisen. Diese wichtige Voraussetzung ist in der Routineanalytik nicht in jedem Fall gegeben und kann zu Problemen führen, etwa dann, wenn neben der Elementabsorption auch Untergrundabsorption der Matrix zum Signal beiträgt.

Abbildung 3: Vollautomatisches Atomabsorptions-Spektrometer AA-6800.

Solche Störungen wie beispielsweise Molekülabsorption, Strahlungsstreuung an Partikeln und spektrale Interferenzen durch Absorptionslinien-Überlagerung können mit leistungsfähigen Untergrundkompensationstechniken beseitigt werden. Zur vollständigen Kompensation aller in der Atomabsorptions-Spektroskopie bekannten Interferenzen sowohl in der Flamme als auch in der elektrothermischen Atomisierung hat sich die Hochstrompulstechnik (High speed self reversal method) etabliert. Sie arbeitet gegenüber der weit verbreiteten Deuterium-Untergrundkompensation, die nur im Wellenlängenbereich bis etwa 420 nm eingesetzt werden kann, im gesamten Wellenlängenbereich von 185 bis 900 nm.

Alle Untersuchungen wurden mit einem Shimadzu Atomabsorptions-Spektrometer AA-6800 (Abbildung 3) durchgeführt, das standardmäßig mit Deuterium- und Hochstrompulstechnik ausgestattet ist. Für die elektrothermische Atomisierung wurde der hochempfindliche Graphitrohrofen GFA-EX7i mit digitaler Steuerung eingesetzt.

Element Cd
Pb Hg
Wellenlänge [nm] 228,8 283,3 253,7
Spaltbreite [nm] 0,7 0,7 0,5
Lampenstrom D2 BGC*[mA] 8 8 4
Lampenstrom SR BGC*[mA] 8/ 100 8/ 300 -
Tabelle 2: Instrumentelle Parameter für die Bestimmung der Elemente Blei, Cadmium und Quecksilber.

Die experimentellen Ergebnisse wurden aus Standardlösungen, verdünnten Messlösungen sowie aufgeschlossenem Referenzmaterial gewonnen. Im Gegensatz zur EDX-Screening-Methode, die keine Probenvorbereitung erfordert, müssen die Proben für die Schwermetallbestimmung mittels Atomabsorptions-Spektrometrie zunächst aufgeschlossen werden. Für die Probenvorbereitung von Polymeren sind verschiedene Aufschlussverfahren möglich, so zum Beispiel die trockene Veraschung oder auch ein Mikrowellen unterstützter Säureaufschluss mit Salpetersäure und Wasserstoffperoxid, gegebenenfalls unter Zugabe von Flusssäure.

Die Bestimmung der Elemente Cadmium, Blei und Chrom erfolgt im Konzentrationsbereich von 0,1 bis 5 mg/l mittels Flammenatomisierung, im Konzentrationsbereich von 0,1 bis 20 µg/l mit elektrothermischer Atomisierung. Für die Bestimmung des Quecksilbers im Konzentrationsbereich von 5 bis 100 µg/l ist die Graphitofentechnik gut geeignet oder auch die Kaltdampftechnik für Konzentrationen bis 1 µg/l im Routinebetrieb. Da die Cadmium-Linie bei 228,8 nm durch spektrale Interferenzen mit Arsen (228.812 nm) bzw. Eisen gestört wird, kann die Deuteriumtechnik hier zu einer Überkompensation führen, weshalb für die Untergrundkompensation in diesem Fall ausschließlich die Hochstrompulstechnik eingesetzt wurde. Damit stellt die Atomabsorptions-Spektrometrie ein geeignetes Routineverfahren für die zuverlässige Bestimmung von Cadmium, Blei, Quecksilber und Chrom dar.

Abbildung 4: Chrom (VI) Kalibrationskurve.

Die Bestimmung von hexavalentem Chrom mit UV-VIS-Spektrometrie

Der Einsatz der Röntgenfluoreszenz- bzw. Atomabsorptions-Spektrometrie erlaubt nur die Bestimmung des Gesamt-Chromgehaltes der aufgeschlossenen Probe. Zur Quantifizierung des hexavalenten Chroms wird deshalb die photometrische Bestimmung mittels 1,5-Diphenylcarbazid eingesetzt. Das Verfahren ist geeignet zur Bestimmung von Chrom (VI), das sich vorwiegend als Korrosionsschutzschicht auf metallischen Oberflächen von Elektrogeräten befindet, aber auch auf Kleinteile wie Schrauben, Unterlegscheiben und Federringe aufgebracht ist.

Das Probenmaterial wird über einen definierten Zeitraum im Reaktionsgefäß eluiert, ein Blindwert gemessen und anschließend die Extinktion bei 550 nm gemessen. Chrom (VI) oxidiert 1,5-Diphenylcarbazid zu 1,5-Diphenylcarbazon, welches mit Chrom einen rotviolett gefärbten Komplex bildet. Die Extinktion des Farbstoffes steht in linearer Beziehung zur Chrom(VI)-Konzentration (Abbildung 4).

Die Bestimmung von PBB und PBDE mit FTIR und GC/MS

Nach den RoHS-Richtlinien dürfen Flammschutzmittel für elektrische und elektronische Bauelemente ab Juli 2006 in Neugeräten nicht mehr eingesetzt werden. Dies hat zur Folge, dass PBB und PBDE nicht mehr als Flammschutzmittel in Polymeren verwendet werden oder einen Grenzwert von 1.000 ppm nicht überschreiten dürfen. Betroffen sind die PBDE Pentabromdiphenylether (PentaBDE) und Octabromodiphenylether (OctaBDE). OctaBDE ist in den Polymeren ABS und PS genutzt worden. Aktuell wird hauptsächlich DecaBDE als Flammschutzmittel in den Polymeren PS, PE, ABS und Polyester verwendet. Die FTIR-Analysentechnik ist ideal zur Identifikation von Polymeren und Flammschutzmitteln geeignet. Besonders vorteilhaft ist hierbei, dass sie eine zerstörungsfreie Messtechnik darstellt und zeitaufwendige nasschemische Aufschlüsse nicht erforderlich sind. So sind schnelle und einfache Analysen der Kunststoffe möglich, da die bromierten Biphenyle alle ein charakteristisches Infrarotspektrum aufweisen.

Abbildung 5: Infrarotspektren des Polystyrols mit und ohne Flammschutzmittel.

Im gezeigten Beispiel von Polystyrol (Abbildung 5) liegen drei Spektren von DBDPE, PS mit DBDPE und reinem PS vor. Deutlich gekennzeichnet ist der Bereich im Fingerprint, der die Identifikation des DBDPE im PS ermöglicht. Wichtig zur Identifikation ist der Fingerprint-Bereich (1.500 –1.000 cm-1), in dem deutliche Unterschiede in den Spektren zu erkennen sind. Mit diesem Wissen ist eine Analysenmethode zur schnellen Identifizierung der bromierten Flammschutzmittel und der Polymere entwickelt worden.

Dazu wird das FTIR-8400S in Kombination mit einer Einfach-Reflexionseinheit verwendet. In diesem Beispiel wurde eine Diamant-ATR Einheit mit KRS-5-Kristall als Einfach-Reflexionseinheit eingesetzt. Ein Diamant als Probenuntergrund ist empfehlenswert, da die Polymere in weicher als auch harter Form vorliegen können. Der Diamant erlaubt einen hohen Anpressdruck, so dass die Probe im engen Kontakt zum Kristall vorliegt und die Eindringung der Strahlung in die Probe optimal gewährleistet ist. Der Strahl tritt hierbei ungefähr 2 µm in die Probenoberfläche ein. Da die RoHS von homogenem Probenmaterial spricht, genügt diese Eindringtiefe, um die Probe letztendlich zu charakterisieren. Das bei dieser Messanordung innerhalb kürzester Zeit (ca. 1 min) erhaltene Spektrum wird automatisch gemäß RoHS ausgewertet.

Zur Absicherung der Analysenergebnisse wird das Spektrum zunächst gegen eine Bibliothek mit Polymerspektren verglichen. Nach der Identifikation des Polymers wird mit einer Datenbank, die bereits 41 Polymere enthält, gearbeitet. Diese Datenbank enthält logische Verknüpfungen und die Distinction-Software prüft auf Plausibilität unter anderem durch die Betrachtung von Signalverhältnissen. Das Entscheidungskriterium umfasst Warnungen, die von der „Identifikation des Polymers nicht möglich“ bis hin zur Meldung „Anpressdruck des Zubehörs nicht ausreichend“ führt und letztlich zum Abschluss das Urteil „ok“ oder „nicht ok“ fällt. Da das Analysenergebnis wie in der Einführung erwähnt in Kombination mit der Voranalyse des EDX-Systems zu sehen ist, kann diese Entscheidung der Methode als eindeutig angesehen werden. Das zeigt, dass die Infrarot-Spektroskopie eine schnelle, einfache alternative Lösung zum Vorsortieren der Polymere ist.

Für die Analyse von polybromierten Flammschutzmitteln in Konzentrationen < 5% bis in den ppm-Bereich wird die GC/MS eingesetzt. Sie erlaubt, auch kleine Gehalte sicher durch Vergleich mit Standardsubstanzen über ihre spezifischen Retentionszeiten und Massenspektren zu identifizieren und zu quantifizieren.

Tabelle 3: Liste der zu untersuchenden PBB und PBDE.

Hierbei bieten sich zwei Möglichkeiten. Zum einen kann für ein Screening der Proben die Pyrolyse-GC/MS eingesetzt werden. Die Methode der Pyrolyse-GC/MS hat den Vorteil, dass die Proben direkt gemessen werden ohne vorher eine aufwendige Probenvorbereitung zu durchlaufen. Bei der Pyrolyse werden die Proben in einem Pyrolyseofen hohen Temperaturen ausgesetzt. Shimadzu bietet den Py-2020iD Pyrolysator mit der so genannten Double-Shot-Methode an. Dabei werden zunächst bei niedrigen Temperaturen (300 – 400 °C) die PBB und PBDE aus dem Polymer verdampft (Thermodesorption). In einem zweiten Schritt können die Polymere bei hohen Temperaturen zersetzt und identifiziert werden. Man erhält also nicht nur Informationen über die eingesetzten Flammschutzmittel, sondern auch über die Zusammensetzung des Polymers.

Abbildung 6: Nachweis von PBDE mit Pyrolyse GC/MS

Die PPB und PBDE werden nach der Verdampfung aus dem Polymer mit Gas-Chromatographie getrennt und im Massenspektrometer nachgewiesen. Abbildung 6 zeigt ein solches Pyrolyse-Chromatogramm. Die Massenspuren 720 und 882 entsprechen dabei den 9-fach bromierten isomeren PBDE (Peaks B, C, D), die Massenspuren 800 und 960 dem 10-fach bromierten PBDE (Peak E).

 

 

Abbildung 7: Quantitativer Nachweis von PBDE in einer Polystyrolprobe.

Für eine quantitative Analyse der PBB und PBDE wird für die Proben zunächst im Labor eine Probenvorbereitung durchgeführt. Der erste Schritt ist hierbei die Extraktion der Proben. Für lösliche Polymere werden die Proben in dem entsprechenden Lösungsmittel gelöst und anschließend mit Flüssig/Flüssig- oder Soxhlet-Extraktion die polybromierten Substanzen extrahiert. Bei nicht-löslichen Polymeren wird direkt eine Soxhlet-Extraktion durchgeführt. Der Extrakt wird danach über Festphasenextraktion oder über GPC gereinigt. Die Probe ist dann für die anschließende GC/MS Analyse mit Flüssiginjektion vorbereitet. Abbildung 7 zeigt den quantitativen Nachweis von PBDE in einer Polystyrolprobe. Mit FTIR konnten in dieser Probe keine PBDE nachgewiesen werden.

Shimadzu bietet mit seinem GCMS-QP2010 und dem Pyrolysator Py-2020iD Geräte mit hoher Empfindlichkeit für diese Analytik.

Zusammenfassung

Die hier beschriebenen Systemkonfigurationen und Applikationsbeispiele geben einen aktuellen Überblick zum Stand der Technik bei der Bestimmung gefährlicher Substanzen in Elektro- und Elektronikgeräten sowie Elektroschrott nach den Verordnungen der WEEE und RoHS. Die Grenzwerte für Blei, Quecksilber, Chrom, polybromierte Biphenyle und polybromierte Diphenylether werden voraussichtlich bei 1.000 mg/kg, für Cadmium bei 100 mg/kg festgelegt und entsprechen damit den Konzentrationen, die auch bereits in der Altautoverordnung (ELV) angewendet werden. Die aktuellen Konzentrationen der Einzelsubstanzen im homogenen Probenmaterial kann stark variieren und ist besonders nach Probenvorbereitung deutlich niedriger anzusetzen. Shimadzu bietet hier mit einer vollständigen Produktpalette die gesamte Hardware und Software zur sicheren Bestimmung gefährlicher Substanzen sowie die Kompetenz und das Know-how eines Marktführers in der Instrumentellen Analytik.

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