31.10.2006: Vor einigen Jahren wurde entdeckt, dass es nicht nur das berüchtigte Ozonloch in der Stratosphäre gibt, sondern dass im polaren Frühjahr Ozon auch in der Troposphäre - der untersten Schicht der Atmosphäre - völlig verschwinden kann. Gleichzeitig mit dem Ozonverlust steigt die Konzentration von reaktivem Bromoxid über Meereis und in Küstennähe deutlich an. Dieses troposphärische Ozonloch wurde deshalb der so genannten Bromexplosion zugeschrieben, einer Kettenreaktion ausgelöst durch Bromid-Ionen aus dem Meersalz. Es wurde bislang jedoch noch nicht verstanden, wie dieses Bromid aus dem leicht alkalischen Meerwasser in gasförmige Substanzen umgewandelt werden kann, obwohl die chemischen Reaktionen dieser Bromexplosion nur in sauren Lösungen ablaufen.

Wissenschaftler vom Max-Planck Institut für Chemie (Mainz), dem Institut für Umweltphysik (Bremen) und dem Institut für Meereskunde (Hamburg) haben nun nach eigenen Angaben eine neue Hypothese durch Computersimulationen mit dem Atmosphärenchemiemodell "MECCA" bestätigt: Wenn sich im Frühling Risse im Eis bilden, wird flüssiges Meerwasser der noch sehr kalten Luft ausgesetzt. Schnell bildet sich an der Oberfläche eine neue, dünne Eisschicht. Darüber entsteht eine flüssige Salzlake, in der die gut löslichen Salze enthalten sind. In der Kälte schlechter lösliche Salze wie Natriumsulfat und Kalziumkarbonat bleiben im Eis zurück. Salzhaltige Teilchen - Aerosole - werden durch Aufwinde an den Rinnen im Meereis emporgehoben. Der entscheidende Punkt hierbei ist, dass die so produzierten Aerosole kaum noch Karbonat enthalten: Im Ozean puffert das Karbonat den pH-Wert im alkalischen Bereich, das karbonatarme Aerosol kann jedoch leicht angesäuert und somit die Bromexplosion in Gang gesetzt werden. Ebenfalls von Bedeutung ist, dass eine Verschiebung der chemischen Gleichgewichte bei kalten Temperaturen die Kettenreaktion begünstigt. Dies beeinflusst die Oxidationskapazität der bodennahen Luftschicht und zerstört große Mengen Ozon und führt außerdem noch zur Ablagerung von Quecksilber in den Polargebieten.

Anders als das Ozonloch in der Stratosphäre hat diese Ozonzerstörung keine direkten Auswirkungen auf unsere Gesundheit. Die neuen Erkenntnisse über die ablaufenden Reaktionen können aber zu einem besseren Verständnis des Klimasystems beitragen, sie eröffnen auch viele neue Fragen über die zukünftige Zusammensetzung der Atmosphäre beim Abschmelzen der arktischen Meereisdecke sowie der fortschreitenden Versauerung der Ozeane.

Originalveröffentlichung: Ralf Sander, John Burrows, Lars Kaleschke; "Carbonate precipitation in brine - a potential trigger for tropospheric ozone depletion events"; Atmos. Chem. Phys. 2006, 6, 4653-4658.

Mehr über Max-Planck-Gesellschaft
Kontakt
Max-Planck-Gesellschaft zur Förderung der Wissenschaften e.V.
Hofgartenstraße 8
80539 München
DEUTSCHLAND
Tel.
+49892108-0
Fax
+49892108-1111
  • News

    Genetischer Fingerabdruck verrät neue ertragreiche Maissorten

    Beim Mais sagt die Leistung der Eltern wenig über den Erfolg der Kinder voraus: Selbst schwache Elternpflanzen können nach der Kreuzung durchaus die stärksten Nachkommen hervorbringen. Doch bei Weitem nicht alle Pflanzen sind geeignete Eltern. Jede Einzelne muss erst in aufwändigen Kreuzung ... mehr

    Ein flächendeckendes Modell-Enzym

    Aus einem chemischen Dilemma könnte sich nun ein Ausweg abzeichnen. Ein internationales Team um Wissenschaftler des Max-Planck-Instituts für Festkörperforschung in Stuttgart hat die Vorteile zweier verschiedenartiger Katalysatoren, die chemische Reaktionen beschleunigen und oft in eine gewü ... mehr

    Im Zentrum der biologischen Stickstoffchemie

    Wie einige Bakterien den Stickstoff der Luft in biologisch brauchbare Verbindungen umwandeln, wird nun klarer. Ein internationales Forscherteam, an dem auch Wissenschaftler des Max-Planck-Instituts für bioanorganische Chemie in Mülheim an der Ruhr beteiligt waren, hat das letzte Detail im B ... mehr

Mehr über Uni Hamburg
Kontakt
Universität Hamburg
Edmund-Siemers-Allee 1
20146 Hamburg
DEUTSCHLAND
Tel.
+49-40-42838-0
Fax
+49-40-42838-6594
  • News

    Superlaser enthüllen die Struktur von Schlüsselproteinen

    Wissenschaftler der Universitäten Hamburg, Lübeck und Tübingen haben in Zusammenarbeit mit dem Deutschen Elektronen-Synchrotron DESY und weiteren Forschergruppen ein neues Experiment erfolgreich durchgeführt, das sie in der aktuellen Online-Ausgabe der Fachzeitschrift „Nature Methods“ besch ... mehr

    Ein Thermometer für die Nanowelt, bestehend aus 80 Atomen

    Wir kennen es aus alltäglichen Anwendungen wie z.B. dem Tauchsieder: Fließen Elektronen durch einen Draht, so erwärmt sich dieser. Wie die Zeitschrift Physical Review Letters berichtet, ist es Forschern vom Institut für Angewandte Physik der Universität Hamburg nun gelungen, diese Entstehun ... mehr

    Gitter aus magnetischen Wirbeln

    Physiker der Universitäten in Hamburg und Kiel und des Forschungszentrums Jülich haben erstmals ein regelmäßiges Gitter aus magnetischen Skyrmionen – wirbelförmigen Spinstrukturen von außergewöhnlicher Stabilität – auf einer Oberfläche gefunden. Diese faszinierende magnetische Struktur wurd ... mehr

Mehr über Uni Bremen
Kontakt
Universität Bremen
Bibliothekstrasse 1
28359 Bremen
DEUTSCHLAND
Tel.
+49421218-1
  • News

    Welche Umweltwirkung haben Silbernanomaterialien in Textilien?

    Die Nanotechnologie hat in jüngster Vergangenheit einen ungewöhnlich steilen Aufstieg erfahren. Mittlerweile sind über 1.000 Nanopartikel enthaltende Produkte auf dem Markt, sehr viele davon ausgesprochen verbrauchernah. Etwa ein Viertel dieser Produkte enthält Silbernanopartikel, die aufgr ... mehr

    Nanopartikel nach Maß für praktische Anwendungen

    Der mit 20.000 Euro dotierte DECHEMA-Preis 2009 der Max-Buchner-Forschungsstiftung wird an Professor Dr.-Ing. habil. Lutz Mädler von der Universität Bremen verliehen. Er wird für seine "herausragenden Leistungen zur Herstellung von Nanomaterialien durch Sprühpyrolyse für Anwendungen in der ... mehr

    Mit neuem Verfahren Karbonfasern auf Feinheit und Festigkeit prüfen

    Kohlefaserverstärkte Kunststoffe gelten als optimales Leichtbaumaterial mit vielfältigen Einsatzmöglichkeiten. Im High-Tech-Bereich spielen Karbonfasern bereits eine wichtige Rolle und auch im Automobilbau dürfte der Bedarf steigen, um durch Leichtbauweise Energie zu sparen. Allerdings sind ... mehr

Mehr über MPI für Chemie
Kontakt
Max-Planck-Institut für Chemie
Hahn-Meitner-Weg 1
55128 Mainz
DEUTSCHLAND
Tel.
+496131305-0
Fax
+496131305-388
  • News

    Recycling im tiefen Erdinnern läuft schneller als gedacht

    Das Geo-Recycling läuft in Vulkanen viel schneller ab, als Wissenschaftler bislang annahmen. Gestein des Erdmantels, das wegen der Bewegung der Erdplatten ins Erdinnere absinkt, gelangt über Vulkane bereits nach rund 500 Millionen Jahren wieder an die Erdoberfläche. Das haben  Forscher des ... mehr

    Bleichmittel in der isländischen Vulkanwolke

    Gut ein Jahr nachdem der isländische Vulkan Eyjafjallajökull fast den ganzen europäischen Flugverkehr lahmlegte, sorgt seine Aschewolke für eine interessante Entdeckung: Forscher des Max-Planck-Instituts für Chemie haben festgestellt, dass die Aschewolke des Vulkans neben dem bekannten Vulk ... mehr

    Amazonas macht seine Wolken selbst

    Der Wald im Amazonas macht seinen Regen selbst. Aerosolpartikel, an denen sich in der Atmosphäre Wolken und Niederschlag bilden, bestehen dort zur Regenzeit hauptsächlich aus organischen Substanzen. Und die setzt der Wald selbst frei. Das haben Forscher des Max-Planck-Instituts für Chemie i ... mehr

Meistgelesene News
Ihr Bowser ist nicht aktuell. Microsoft Internet Explorer 6.0 unterstützt einige Funktionen auf Chemie.DE nicht.