29.05.2006: Anfang des Jahres sorgten fünf kalifornische Hundenasen für Schlagzeilen: Die dazugehörigen Vierbeiner haben - trainiert von einem amerikanisch-polnischen Forscherteam - Brust- oder Lungenkrebs in der Ausatemluft von Patienten mit hoher Trefferquote erschnüffelt. Das Problem der Arzthelfer mit Fell: Ihre Diagnosen hängen von der Tagesform ab. Sind ihre Riechorgane beeinträchtigt, etwa durch eine Erkältung oder das Rasierwasser des Patienten, kann das zu einer falschen Diagnose führen - das wiederum können sie jedoch aus nahe liegenden Gründen nicht mitteilen.

Auch Mediziner der Lungenklinik Hemer möchten den Atem von Patienten zur Bestimmung und Beurteilung von Krankheiten nutzen, doch statt auf tierische setzen sie auf elektronische "Nasen": Spezielle Spektrometer, von Wissenschaftlern des Dortmunder ISAS - Institute for Analytical Sciences entwickelt, analysieren die chemische Zusammensetzung von Gasen. Mit der gleichen Messtechnik wurde bisher auf Flughäfen nach Sprengstoffen gesucht, auch die Polizei nutzt sie zum Aufspüren von Drogen. Künftig, so die Vision der Mediziner und Wissenschaftler, könnte sie jedoch auch in Kliniken und Arztpraxen bei der Diagnose von Lungenerkrankungen eingesetzt werden. Noch ist das Zukunftsmusik, funktionieren kann die Methode nämlich nur, wenn jede Krankheit eindeutige und unverwechselbare "Fingerabdrücke" in der Ausatemluft hinterlässt.

Seit Anfang Mai sind die Ärzte aus Hemer gemeinsam mit Wissenschaftlern des ISAS und Statistikern der Universität Dortmund auf der Suche nach diesen Fingerabdrücken, in Fachkreisen Marker genannt. Bei einigen Erkrankungen sind die Wissenschaftler bereits vor zwei Jahren fündig geworden, damals haben sie in einer Pilotstudie Marker für eine bestimmte Tumorart und einige Atemwegsentzündungen entdeckt. Die Anzahl der Patienten war jedoch relativ klein, darum will das Team mit der aktuellen Untersuchung die Ergebnisse der vorigen Studie überprüfen. Vor allem aber wollen sie nach den Markern weiterer Erkrankungen im Atem von Patienten fahnden.

Im Moment ist das Spektrometer noch in der "Lernphase"; es kann zwar sagen, dass etwas da ist, aber noch nicht immer was es ist. Bis das Gerät wirklich bei Patienten zum Einsatz kommen kann, werden daher noch einige Jahre vergehen. Doch Michael Westhoff, Arzt in der Lungenklinik Hemer, ist zuversichtlich, dass das Spektrometer irgendwann zum Standardinventar in jeder Arztpraxis gehört.

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