15.01.2004: Wissenschaftler des RZPD haben kürzlich einen effizienteren
Weg bei der spezifischen Hemmung von Genfunktionen - wichtig bei der
Bestimmung von neuen Angriffszielen für innovative Medikamente - mit Hilfe
von Ribonukleinsäuren (RNAs) entwickelt. Bislang wurden hierfür sogennante
siRNAs (small interfering RNAs)-Moleküle eingesetzt, die die Fähigkeit
besitzen, bestimmte Gene in ihrer Funktion auszuschalten (gene silencing)
und somit einen Hinweis liefern, welche Erbanlagen für die Ausprägung einer
Körperfunktion zuständig sind.
Der Einsatz dieser Moleküle erweist sich aber
zum Teil als ineffizient, darüber hinaus ist die bisher eingesetzte chemische
Herstellung kostenaufwendig, ihr Einsatz bei Hochdurchsatz-Verfahren
unrentabel.
Jetzt hat das RZPD ein Verfahren vorgestellt, mit dem sich
effiziente siRNAs rentabel herstellen lassen. Ausgangspunkt sind bislang mehr
als 2.300 verschiedene, hochspezifische lange dsDNAs, aus denen sich über
zweienzymatische Schritte die siRNAs-Moleküle herstellen lassen. Diese
Moleküle werden zur Zeit in Kooperation mit dem Max-Planck-Institut für
molekulare Zellbiologie und Genetik, Dresden in Modellversuchen eingesetzt.
Das RZPD erweitert derzeit den vorhandenen Satz an siRNA-Ressourcen. Es
wird davon ausgegangen, dass bis Ende 2004 etwa 36.000 genspezifische
Produkte für den Menschen zur Verfügung stehen. Darüber hinaus arbeitet
das RZPD an entsprechenden Materialien für Maus und Ratte, die bereits in
diesem Frühjahr bereitstehen sollen.
Hintergrund:
RNA-Interferenz (RNAi) wird als wichtige
Methode bei der Validierung beziehungsweise Identifizierung neuer Targets für
medizinische Wirkstoffe angesehen.Die Moleküle eignen sich hervorragend als Hilfsmittel zur Hemmung bestimmter
Genprodukte (Gene Silencing Tool) bei der Genfunktionsbestimmung und als vielversprechende
Therapeutika.
Ein wichtiges Charakteristikum des Mechanismus ist das Prozessieren von langen dsRNAs in 21
bis 23 Nukleotide, die siRNAs, durch den Dicer-Enzymkomplex. Die siRNA bildet mit einem
Proteinkomplex den sogenannten RNA-induced Silencing Complex (RISC), dieser bindet an den
Antisense-Strang des 21-mers und schneidet die mRNA in der Mitte des Hybrides. Die mRNA-Degradation
führt zu einem "gene silencing" auf posttranskriptioneller Ebene.
Ursprünglich wurden 21 bp dsRNAs für den "Knock down" in menschlichen, murinen und
Rattenzellen beschrieben. Deren Einsatz hat jedoch drei wesentliche Nachteile: 1. eine ungewisse
Erfolgsrate (im Allgemeinen werden zwei bis drei verschiedene siRNA-Oligos gebraucht, um einen
"Knock down" zu erreichen), 2. die Effizienz ist meist gering, und 3. die Kosten für siRNA
Oligonukleotide belaufen sich auf mehrere Hundert Euro pro Gen, wodurch ein Genomweites
Screening behindert wird.
Daher arbeitet das RZPD seit einiger Zeit an einem alternativen Weg des "gene silencing": Dem
Einsatz von in vitro-Transkription und rekombinanten RNA verdauenden Enzymen zur Herstellung
von funktionellen siRNAs.
Dafür wurden genspezifische Produkte für 36.000 Unigene Clustern
hergestellt und verifiziert. Dabei handelt es sich um PCR-Produkte, die mit zwei spezifischen
Primern pro Gen hergestellt wurden und keinerlei repetitive beziehungsweise konservierte
Sequenzen enthalten. Um diese dsDNA in dsRNA umwandeln zu können, wurden T7-Promotoren
angefügt. Diese Produkte lassen sich sehr leicht über in vitro-Transkription in dsRNA-Moleküle
überführen. Diese "langen" dsRNA Moleküle können mittels Dicer oder RNaseIII-Reaktion in
funktionelle "kleine" siRNAs überführt werden. Diese Endprodukte haben sich als potente "Tools"
für den spezifischen "Knock down" erwiesen, die oft den siRNA-Oligos überlegen sind.
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