Forscher entschlüsseln das Bonobo-Genom

Etwa drei Prozent des menschlichen Genoms sind näher mit dem Bonobo- oder dem Schimpansen-Genom verwandt als die Genome von Schimpanse und Bonobo miteinander

15.06.2012

© Michael Seres

Das Bonobo-Weibchen Ulindi im Zoo Leipzig.

Ein internationales Forscherteam unter Leitung des Max-Planck-Instituts für evolutionäre Anthropologie hat das Genom des Bonobo-Weibchens Ulindi aus dem Zoo Leipzig untersucht und es mit dem von Schimpansen und Menschen verglichen. Das Ergebnis überraschte: Etwa drei Prozent des menschlichen Genoms ähnelt mehr dem Bonobo- beziehungsweise dem Schimpansen-Genom. Die Ähnlichkeiten sind in diesen Bereichen deutlich größer als zwischen den Affenarten.

Schimpansen und Bonobos unterscheiden sich stark in ihrem Verhalten. Während Schimpansen in Äquatorialafrika weit verbreitet sind, leben Bonobos ausschließlich südlich des Flusses Kongo in der Demokratischen Republik Kongo. Unter männlichen Schimpansen gibt es häufig aggressive Rangkämpfe, sie kooperieren aber miteinander, um ihren Lebensraum zu verteidigen und andere Gruppen zu bekämpfen. Dies alles ist bei Bonobo-Männchen, die ihren Weibchen untergeordnet sind, nicht üblich. Zudem gelten Bonobos als sehr verspielt und haben ein sehr aktives Sexualleben, das nicht nur der Fortpflanzung dient.

Um die evolutionären Beziehungen von Bonobos, Schimpansen und Menschen besser zu verstehen, haben Wissenschaftler vom Max-Planck-Institut für evolutionäre Anthropologie jetzt das Erbgut des Bonobo-Weibchens Ulindi sequenziert und dieses mit dem von Schimpanse und Mensch verglichen. Die Ergebnisse bestätigten eine frühere Annahme: Offenbar hat sich das Erbgut der Menschenaffen nach ihrer evolutionsgeschichtlichen Trennung nicht mehr miteinander vermischt. Der Fluss Kongo, der vor etwa 1,5 bis 2,5 Millionen Jahren entstand, bildete vermutlich eine natürliche Barriere, die beide Affenarten trennte.

Max-Planck-Institut für evolutionäre Anthropologie

Jetzt Infos anfordern

News weiterempfehlen PDF Ansicht / Drucken

Teilen bei

Fakten, Hintergründe, Dossiers
  • Max-Planck-Gesellschaft
  • Genome
  • Genomanalysen
Mehr über MPI für evolutionäre Anthropologie
Mehr über Max-Planck-Gesellschaft
  • News

    Ultraschnelle Röntgenlaser machen flüchtige Atomspins sichtbar

    Ein kurzer Lichtblitz kann gewöhnlichen Materialien außergewöhnliche Eigenschaften verleihen, wie die perfekte Effizienz der Supraleitung – und das sogar bei Raumtemperatur. Allerdings sind diese Transformationen berüchtigt dafür, sehr flüchtig zu sein – sie verschwinden bereits nach wenige ... mehr

    Direkte Beobachtung einer katalytischen Reaktion

    Es ist ein langersehntes Ziel der Chemie, strukturelle Veränderungen von Molekülen während chemischer Reaktionen nachzuverfolgen und direkt zu beobachten. Aufgrund ihrer kurzen Lebensdauer ist es besonders schwierig, reaktive Zwischenprodukte zu identifizieren und zu charakterisieren. Durch ... mehr

    Morsezeichen aus der Zelle

    Wer sind die Moleküle, und wenn ja, wie viele? Für die komplexen Prozesse in biologischen Zellen müssen jeweils spezifische Moleküle in passender Menge am richtigen Ort zusammentreffen und interagieren. Eine hochauflösende Mikroskopietechnik, die Wissenschaftler am Max-Planck-Institut für B ... mehr

Ihr Bowser ist nicht aktuell. Microsoft Internet Explorer 6.0 unterstützt einige Funktionen auf Chemie.DE nicht.