Winfried Denk erhält den Kavli-Preis in den Neurowissenschaften

Eine der weltweit höchsten Auszeichnungen geht an Max-Planck-Wissenschaftler

05.06.2012

© MPI für Neurobiologie

Winfried Denk, Direktor am MPI für Neurobiologie wird für seine Forschungsarbeiten mit dem diesjährigen Kavli-Preis in der Kategorie Neurowissenschaften ausgezeichnet.

Der mit einer Million US-Dollar dotierte Kavli-Preis in den Neurowissenschaften wird in diesem Jahr verliehen für die Aufklärung grundlegender neuronaler Mechanismen in der Wahrnehmung und Entscheidungsfindung. Winfried Denk teilt sich den Preis mit Cornelia Isabella Bargmann, Rockefeller University (USA) und Ann M. Graybiel, MIT (USA). Die Preisverleihung findet am 4. September durch den norwegischen König in Oslo statt.

Winfried Denk ist bekannt für seine bahnbrechenden Arbeiten zur Entwicklung neuer Abbildungsmethoden. Der Kavli-Preis würdigt zwei von ihm entwickelte Methoden. Mit ihrer Hilfe können essenzielle Fragen darüber beantwortet werden, wie zum Beispiel Informationen vom Auge in das Gehirn gelangen.

Im Jahr 1990 stellte Winfried Denk die Methode der Mikroskopie mit 2-Photonen-Fluoreszenzanregung vor. Diese Art der Mikroskopie ist deutlich schonender für das betrachtete Gewebe als die bis dahin bekannte konfokale Laser-Scanning-Mikroskopie. Erstmals wurden so Beobachtungen tief in streuendem Gewebe und auch über lange Zeit hinweg möglich. Dieses Mikroskop verbessert die Eindringtiefe von 50-80 Mikrometer auf zum Teil bis zu 1000 Mikrometer (1 Millimeter). Nun wurden Gewebsschichten sichtbar, die anderweitig für die Bildgebung unerreichbar blieben.

In den folgenden Jahren entwickelte Winfried Denk ein Dreidimensionales-Raster-Elektronenmikroskop. Dieser automatisierte Prozess stellt winzigste Details dreidimensional im umliegenden Gewebe dar. Dazu tastet ein Elektronenmikroskop die Oberfläche eines Gewebestücks ab; das gewonnene Bild wird gespeichert. Als nächstes schneidet das Gerät eine ultradünne Gewebescheibe ab und erfasst dann die darunter liegende Gewebeebene. Schnitt für Schnitt werden so alle Strukturen in dem vorliegenden Gewebeblock aufgenommen und am Computer zu einer dreidimensionalen Struktur zusammengesetzt.

Beide von Winfried Denk entwickelten Verfahren ermöglichen ganz neue Einblicke in biologische Prozesse am Ort ihres Geschehens. Erst so wird eine weitreichende Erforschung dieser Prozesse möglich. Beide Verfahren haben somit die Forschung mit Hilfe bildgebender Verfahren revolutioniert.

Winfried Denk (*1957) studierte Physik zunächst an der Ludwig Maximilians Universität und dann an der Eidgenössischen Technischen Hochschule (ETH) in Zürich. Für seine Doktorarbeit ging er an die Cornell University nach Ithaca, USA. Im Anschluss forschte Winfried Denk am IBM Research Lab in Rüschlikon in der Schweiz, bevor er ab 1991 eine unabhängige Arbeitsgruppe an den Bell Laboratories in Murray Hill, USA leitete. Im Jahr 1999 wurde der promovierte Physiker zum Direktor am Max-Planck-Institut für medizinische Forschung in Heidelberg berufen, wo er die Abteilung Biomedizinische Optik leitete. Seit 2002 ist Winfried Denk außerdem Honorarprofessor an der Universität Heidelberg. Vor kurzem wurde er zum Direktor ans Max-Planck-Institut für Neurobiologie in Martinsried berufen.

Max-Planck-Institut für medizinische Forschung

Jetzt Infos anfordern

News weiterempfehlen PDF Ansicht / Drucken

Teilen bei

Fakten, Hintergründe, Dossiers
  • Max-Planck-Gesellschaft
  • Kavli-Preis
  • Neurowissenschaften
Mehr über MPI für medizinische Forschung
Mehr über Max-Planck-Gesellschaft
  • News

    Schärfer als die Biologie erlaubt

    Jeder, der schon mal ein Gruppenfoto gemacht hat, kennt das Problem: Wenn alle ständig durcheinanderlaufen, kann man kaum ein scharfes Bild schießen. Zellbiologen, die die molekularen Abläufe im Inneren einer Zelle sichtbar machen wollen, stehen vor einer ähnlichen Herausforderung. Die Mole ... mehr

    Moleküle von Geruchsstoffen zeigen unerwartete Flexibilität

    Forscher des Max-Planck-Instituts für Struktur und Dynamik der Materie am Center for Free-Electron Laser Science und des Hamburg Centre for Ultrafast Imaging (CUI) unter der Leitung von Melanie Schnell haben die komplexe Konformationslandschaft eines duftenden Biomoleküls entschlüsselt. Die ... mehr

    Ultraschnelle Röntgenlaser machen flüchtige Atomspins sichtbar

    Ein kurzer Lichtblitz kann gewöhnlichen Materialien außergewöhnliche Eigenschaften verleihen, wie die perfekte Effizienz der Supraleitung – und das sogar bei Raumtemperatur. Allerdings sind diese Transformationen berüchtigt dafür, sehr flüchtig zu sein – sie verschwinden bereits nach wenige ... mehr

Ihr Bowser ist nicht aktuell. Microsoft Internet Explorer 6.0 unterstützt einige Funktionen auf Chemie.DE nicht.