Guinness-Rekord: Schnellster Film der Welt stammt vom Hamburger Röntgenlaser FLASH

01.02.2012

Stefan Eisebitt/HZB

Zentraler Teil des Hologramms vom Brandenburger-Tor-Modell.

Mit dem schnellsten Film der Welt hat es der Hamburger Röntgenlaser FLASH ins „Guinness-Buch der Rekorde“ geschafft. Die Ausgabe 2012 verzeichnet für die Anlage am Forschungszentrum DESY eine Rekordbildfolge von nur 50 billiardstel Sekunden (50 Femtosekunden) Abstand. Zwischen zwei Aufnahmen liegen also lediglich 0,000 000 000 000 05 Sekunden - das ist rund 800 Milliarden Mal schneller als ein normaler Kinofilm. Prof. Stefan Eisebitt von der Technischen Universität Berlin und dem Helmholtz Zentrum Berlin stellte die Rekord-Zeitlupe auf dem Nutzertreffen der DESY-Forschungslichtquellen vor. Als Filmmotiv wählte seine Gruppe zum Entwickeln des Verfahrens ein Mikromodell des Brandenburger Tors, das nur wenige millionstel Meter groß ist.

„Die neuartigen Röntgenlaser werden Hochgeschwindigkeitsfilme ermöglichen, mit denen sich auch ultraschnelle molekulare Prozesse und chemische Reaktionen ablichten und besser verstehen lassen“, betont DESY-Forschungsdirektor Prof. Edgar Weckert. Das Team um Eisebitt hat an FLASH die bislang schnellste Bildfolge demonstriert. Dafür teilten die Forscher den Strahl des Röntgenlasers in zwei Blitze, von denen einer über einen kleinen Umweg von nur 0,015 Millimetern geschickt wurde und daher 50 Femtosekunden später eintraf als der erste. Da sich kein Detektor so schnell auslesen lässt, speicherten die Wissenschaftler beide Aufnahmen als überlagerte Hologramme, aus denen sich die Einzelbilder anschließend rekonstruieren ließen.

Mit ihren Versuchen haben die Forscher gezeigt, dass die Rekord-Zeitlupe prinzipiell machbar ist. Allerdings haben sie dabei nicht nur den schnellsten Film der Welt aufgenommen, sondern mit nur zwei Bildern auch den kürzesten. Um die Methode in der Praxis anwenden zu können, ist also noch weitere Entwicklungsarbeit nötig. „Das langfristige Ziel ist, die Bewegung von Molekülen und Nanostrukturen in Echtzeit verfolgen zu können“, sagt Eisebitt.

Originalveröffentlichung:
C. M. Günther et al.; Sequential femtosecond X-ray imaging; Nature Photonics 5, 99–102, 2011

Deutsches Elektronen-Synchroton DESY

News weiterempfehlen PDF Ansicht / Drucken

Teilen bei

Fakten, Hintergründe, Dossiers
  • Röntgenlaser
  • Nanostrukturen
  • Deutsches Elektrone…
Mehr über Deutsches Elektronen-Synchroton DESY
  • News

    Röntgenlaser enthüllt Struktur von Blutdruckregler

    Mit einer ausgeklügelten Röntgenuntersuchung hat ein amerikanisch-deutsches Forscherteam unter Beteiligung von DESY die molekulare Struktur eines wichtigen Blutdruck-Regulators im menschlichen Körper aufgeklärt. Die Studie, die im Fachblatt „Cell“ erscheint, gibt neue Einblicke in die genau ... mehr

    Forscher röntgen Entzündungshemmer

    Mit DESYs Röntgenquelle PETRA III haben Forscher erstmals die räumliche Struktur von zwei medizinisch vielversprechenden Molekülen aus der neuen Wirkstoffgruppe der Spiegelmere entschlüsselt. Die Ergebnisse ermöglichen ein tieferes Verständnis der Funktion dieser Wirkstoffe, die sich bereit ... mehr

    Forscher schießen 3D-Röntgenbild von Riesenvirus

    Mit dem weltstärksten Röntgenlaser am US-Beschleunigerzentrum SLAC hat ein Forscherteam unter Beteiligung von DESY eine dreidimensionale Aufnahme eines intakten Viruspartikels gewonnen. Die Beobachtung zeigt sogar Teile der inneren Struktur des sogenannten Mimivirus, wie die Wissenschaftler ... mehr

Mehr über TU Berlin
  • News

    Photoakustische Bildgebung ermöglicht tiefen Blick ins Gewebe

    Photoakustische Bildgebung ermöglicht die dreidimensionale Darstellung von Zellen und Gewebe. Bisher wird sie vor allem genutzt, um Blutgefäße zu visualisieren. Tumorzellen dagegen erscheinen transparent und sind somit fast unsichtbar. Wissenschaftler der TU Berlin, der Charité – Universitä ... mehr

    Der Mensch auf dem Chip

    11,4 Millionen Tiere wurden laut EU-Statistik im Jahre 2011 in Forschung und Entwicklung eingesetzt, die meisten davon für Testungen. Doch nach wie vor bleibt die Aussagekraft von Tests am Tier für die Wirkung auf den Menschen begrenzt. Viele teure Experimente werden daher wieder abgebroche ... mehr

    Neues holografisches Verfahren nutzt „bildstabilisierte Röntgenkamera“

    Ein Team um Stefan Eisebitt hat ein neues Röntgen-Holografie-Verfahren entwickelt, das „Schnappschüsse“ von dynamischen Prozessen mit bisher unerreichter Auflösung in Aussicht stellt. Die Effizienz des neuartigen Verfahrens beruht auf einer fokussierenden Röntgenoptik, die  mit dem abzubild ... mehr

Mehr über Helmholtz-Zentrum Berlin für Materialien und Energie
Ihr Bowser ist nicht aktuell. Microsoft Internet Explorer 6.0 unterstützt einige Funktionen auf Chemie.DE nicht.