Chemiker James Lisy untersucht Mikrosolvatation

Humboldtforschungspreisträger an der RUB

31.08.2011: Die Forschung der Ruhr-Universität Bochum wird erneut durch einen Preisträger der Humboldt-Stiftung bereichert: Der Wissenschaftler James M. Lisy von der University of Illinois in Urbana-Champaign (USA) arbeitet noch bis Ende des Jahres zusammen mit Prof. Dr. Martina Havenith-Newen am Lehrstuhl für Physikalische Chemie II. "Er ist Experte für Infrarot-Spektroskopie und die Solvatation von Ionen", so Havenith-Newen. "Gemeinsam mit ihm wollen wir beobachten, wie sich Ionen bei Anlagerung von einzelnen Wassermolekülen verhalten." Diese Fragen stehen ebenfalls im Zentrum des Forschungsverbundes RESOLV (Ruhr Explores Solvation), mit dem sich die RUB momentan für die Exzellenzinitiative II des Bundes und der Länder zur Förderung von Wissenschaft und Forschung bewirbt.

Grundlage für Verständnis von Ladungstransport in Flüssigkeiten

Die geplanten Untersuchungen zur "Mikrosolvatation" finden in supraflüssigen Heliumnanotröpfchen statt. Das sind Zusammenballungen (Cluster), die aus ca. 6000 Heliumatomen bestehen. Die in einem Überdruckstrahl erzeugten supraflüssigen Heliumtröpfchen dienen als "Staubsauger", die alles aufnehmen, was in kleinsten Mengen im Vakuum vorliegt. Diese Moleküle, in diesem Fall Ionen, kühlen dann auf -272,78 °C ab. Anschließend können die Forscher einzelne Moleküle anlagern und die Veränderungen aufzeichnen. Das Fach dieser Methode heißt "Chemie bei ultrakalten Temperaturen". Lisy und Havenith nutzen die Infrarotspektroskopie, um die gebildeten Molekülionenkomplexe eingehend zu charakterisieren. Ein detailliertes Verständnis der Solvatation ist Voraussetzung für Schlüsseltechnologien, z.B. im Bereich der "grünen" Chemie und der Elektrochemie.

Besondere Auszeichnung

Das Preisgeld von 60.000 Euro verleiht die Humboldt Stiftung an Wissenschaftler, die in der Vergangenheit bahnbrechende Forschungsergebnisse erzielten und von denen sie auch in Zukunft signifikante Impulse für die Wissenschaft erwarten. Die Preisträger können den Ort für ihre Forschungsarbeiten in Deutschland frei wählen.

Vita von Prof. Lisy

James M. Lisy machte 1974 seinen Abschluss in Chemie und Mathematik an der Iowa State University. 1979 promovierte er an der Harvard University in chemischer Physik und ist seit 1981 Professor an der Fakultät für Chemie an der University of Illinois. Lisy nutzt Technologien der Molekularstrahl- und Laserspektroskopie um die Eigenschaften von Ionencluster zu erforschen. Seit 20 Jahren ist er international anerkannt für Ionensolvatisierung in biologischen und ökologischen Systemen.

Fakten, Hintergründe, Dossiers
Mehr über Ruhr-Universität Bochum
  • News

    „Trichter“ lockt Bindungspartner zum Biomolekül

    Wasser ist in den Lebenswissenschaften ein allgegenwärtiges Lösungsmittel – manchmal die „Matrix des Lebens“ genannt. Entgegen früherer Annahmen ist es kein passiver Zuschauer biochemischer Prozesse, sondern aktiv daran beteiligt: Durch eine Veränderung der Bewegungen von Wassermolekülen in ... mehr

    Nanodiamanten im Körper verfolgen

    Auf Nanodiamanten ruhen große Hoffnungen: Sie könnten zum Beispiel als Transporter Medikamente zielgerichtet in einzelne Körperzellen transportieren und so Nebenwirkungen vermeiden. Um zu untersuchen, wo genau sie sich hinbewegen und wie sie sich im Körper verhalten, muss man sie markieren. ... mehr

    Smartphone-Test gegen Produktpiraterie

    Um Produktpiraterie zu verhindern, markieren einige Industriebtriebe Originalprodukte mit fälschungssicheren Leuchtstoffen. Dass diese Methode auch für Privatkunden interessant sein kann, um Produkte auf Echtheit zu überprüfen, haben Forscher der Ruhr-Universität Bochum belegt. Das Team vom ... mehr

Mehr über UIUC
  • News

    Schnelltest in Origami-Technik

    Aufwändige Laboruntersuchungen liefern zwar zuverlässige Ergebnisse, sind aber nicht geeignet für eine patientennahe Diagnostik. Besonders in Entwicklungsländern ist man auf einfache, stromunabhängige, kostengünstige Testmethoden angewiesen. Biosensoren auf Papierbasis sind eine interessant ... mehr

    Wasserhülle unter Beobachtung

    Wasser ist kein "passiver Zuschauer" biologischer Prozesse, sondern ein "aktiver Mitspieler". So ist die Proteinfaltung ein selbstorganisierter Prozess, bei dem die Bewegungen des Lösungsmittels eine Schlüsselrolle spielen. Bislang lag der Schwerpunkt der Untersuchungen von Faltungsprozesse ... mehr

Ihr Bowser ist nicht aktuell. Microsoft Internet Explorer 6.0 unterstützt einige Funktionen auf Chemie.DE nicht.