Lode Pollet, ehemaliger SNF-Stipendiat und nun Professor für Physik an der Ludwig-Maximilian-Universität in München, ist mit dem Newcomb-Cleveland-Preis ausgezeichnet worden. Der Preis wird jährlich für die beste im Wissenschaftsmagazin Science veröffentlichte Arbeit verliehen. Darin berich ... mehr
Schnappschüsse von getriebenen Elektronen
Aus einer kleinen Düse strömen Heliumatome, die von einem Laserpuls ionisiert werden. Dabei entsteht aus Heliumionen und freien Elektronen ein Plasmakanal. In diesem Kanal wird ein Teil der Elektronen bis auf Lichtgeschwindigkeit von dem Lichtblitz beschleunigt.
17.03.2011: Physikern des Labors für Attosekundenphysik am Max-Planck-Institut für Quantenoptik ist erstmals die Echtzeit-Beobachtung von lasererzeugten Teilchen-Plasmawellen und die durch sie beschleunigten Elektronenpakete gelungen.
Schwarmverhalten gibt es nicht nur bei Vögeln, Insekten oder Fischen, auch der Mikrokosmos hat ähnliche Phänomene zu bieten. Einem Team um Ferenc Krausz und seinen Mitarbeitern Laszlo Veisz und Alexander Buck vom Labor für Attosekundenphysik (LAP) am Max-Planck-Institut für Quantenoptik (MPQ) und an der Ludwig-Maximilians-Universität (LMU) ist es jetzt in Zusammenarbeit mit Kollegen der Universität Jena erstmals gelungen, laserbeschleunigte Schwärme von Elektronen im Zusammenspiel mit einer Plasmawelle, die aus positiv geladenen Heliumionen und weiteren Elektronen besteht, zu beobachten.
Damit haben die Physiker eine Echtzeit-Dokumentation erstellt, wie sich unter Einwirkung von starken Laserpulsen Elektronen zu Bündeln organisieren und sich während des Fluges in ihrem Windschatten verhalten. Die Erkenntnisse erleichtern die Entwicklung von neuen Elektronen- und Lichtquellen, mit denen man etwa die Struktur von Atomen und Molekülen erkundet. In der Medizin helfen die Kenntnisse, neue Röntgenquellen zu entwickeln, deren Auflösung weit besser sein wird als bei aktuellen Geräten.
Wenn kurze Laserpulse zum Beispiel auf Heliumatome treffen, wird deren Struktur gehörig durcheinander gewirbelt. Ist das Licht stark genug, schlägt es aus den Atomen Elektronen heraus, die Heliumatome werden zu Ionen. Die Mischung aus Elektronen und Ionen nennt man Plasma, das unter starkem Lichteinfluss Wellenstrukturen annehmen kann. In der Laserphysik nützt man diesen Prozess unter speziellen Bedingungen um einen kleinen Teil der Elektronen rasant bis nahe der Lichtgeschwindigkeit zu beschleunigen und zu kontrollieren.
Einem Team vom Labor für Attosekundenphysik am MPQ und an der LMU ist es nun in Kooperation mit Physikern der Uni Jena gelungen, die mit starkem Laserlicht erzeugten Elektronenbündel zusammen mit ihrer treibenden Plasmawelle zu fotografieren.
Bei ihren Experimenten fokussieren die Laserphysiker einen Laserpuls auf eine Gasdüse, aus der die Heliumatome strömen. Der Puls dauert nur wenige Femtosekunden (eine Femtosekunde ist ein Millionstel einer milliardstel Sekunde, 10-15 Sekunden). Der Lichtblitz besteht aus wenigen Wellenzyklen und rund einer Milliarde Milliarden Lichtteilchen (Photonen). Seine höchste Leistung ist auf einen sehr kurzen Moment innerhalb des Lichtblitzes und eine winzige Fläche komprimiert. Der hochintensive Laserpuls reißt die Elektronen aus den Atomen. In diesem Cocktail sind die Elektronen viel leichter als die Helium-Atomrümpfe, dadurch werden sie zur Seite gedrängt. Während der Laserpuls über das System hinwegfegt, bleiben die Ionen stationär, die freigewordenen Elektronen oszillieren um einen Ort. Zusammen bilden die Teilchen eine Plasmawelle. Eine Schwingung dieser Struktur dauert rund 20 Femtosekunden.
In der Plasmawelle bilden sich gigantische elektrische Felder, die 1000 Mal stärker sind als jene, die in den größten Teilchenbeschleunigern der Welt erzeugt werden. Ein kleiner Teil der Elektronen macht sich die Felder zunutze, fliegt als Schwarm im Windschatten dem Laserpuls hinterher und beschleunigt bis nahe an die Lichtgeschwindigkeit. Jedes Elektron verfügt dabei über fast die gleiche Energie.
Das Phänomen ist der Physik schon lange bekannt und in Experimenten nachgewiesen. Bereits 1979 beschrieb der japanische Laserphysiker Toshiki Tajima den Vorgang. Tajima forscht heute im Exzellenzcluster "Munich-Centre for Advanced Photonics". Bisher waren aber nur Einzelbeobachtungen mit reduzierter Auflösung, entweder des Elektronenschwarms oder der gesamten Plasmawelle möglich.
Den Garchinger Laserphysikern ist die kombinierte Dokumentation mit einer hohen Auflösung der Plasmawelle geglückt. In Schnappschüssen festgehalten wurde der Prozess über den gleichen Lichtpuls, der auch die Elektronen beschleunigt. Den Laserpuls hatten die Physiker zuvor gespalten, sodass ein kleiner Teil davon im rechten Winkel auf das System aus freien Elektronen und Ionen auftraf. Dieses Licht wird an der periodisch angeordneten Plasmawelle gebrochen, wobei sich die Brechung verändert und es zum Teil abgelenkt wird. "Die Ablenkung und damit die Plasmawelle bilden wir als Helligkeitsunterschiede mit einer Kamera ab", erläutert Laszlo Veisz, Forschungsgruppenleiter im LAP-Team. Die Forscher erreichen dabei eine einzigartige räumliche und zeitliche Auflösung im Femtosekunden-Bereich. Der Elektronenschwarm produziert zudem Magnetfelder, die die Physiker ebenfalls aufzeichnen und damit seine Position und Dauer bestimmen. Aus beiden Messmethoden ergibt sich schließlich ein Film der Elektronenbeschleunigung.
"Diese verbesserten Kenntnisse der laser-getriebenen Elektronenbeschleunigung helfen uns, neue Röntgenquellen von bisher nicht erreichter Qualität für die Grundlagenforschung aber auch für die Medizin zu entwickeln", erläutert Ferenc Krausz.
Originalveröffentlichung:
Alexander Buck, Maria Nicolai, Karl Schmid, Chris M. S. Sears, Alexander Sävert, Julia M. Mikhailova, Ferenc Krausz, Malte C. Kaluza, Laszlo Veisz, Real-time observation of laser-driven electron acceleration, Nature Physics, March 13th 2011
Zusatzinformationen
- Elektronik
- Uni Jena
- LMU
Geschwister-Scholl-Platz 1
80539 München
DEUTSCHLAND
- Tel.
- +49892180-0
- Fax
- +49892180-2322
-
News
Einzelnen Atomen beim Zur-Ruhe-Gehen zusehen
Wissenschaftler der Freien Universität Berlin, des Max-Planck-Instituts für Quantenoptik und der Ludwig-Maximilians-Universität München (LMU) haben mit Experimenten erstmals das dynamische Verhalten korrelierter einzelner Atome in Festkörpern simuliert. Es gelang ihnen, Atome in sogenannten ... mehr
Mit dem Nano-Ohr in die Stille lauschen
Wie laut krabbelt ein Floh? Welche Schallwellen verursacht ein wanderndes Bakterium? Physikern des Exzellenzclusters „Nanosystems Initiative Munich“ (NIM) ist es erstmals gelungen, Schallwellen im Größenbereich dieses Mikrokosmos zu messen. Als Nano-Ohr fungiert ein einzelnes Goldnanopartik ... mehr
Hans-Kopfermann-Str. 1
85748 Garching
DEUTSCHLAND
- Tel.
- +498932905-0
- Fax
- +498932905-200
-
News
Trifft ein intensiver Laserpuls auf ein Atom, kommt Bewegung in den Mikrokosmos. Nicht selten wird dann ein Elektron aus dem Atom herausgeschleudert und dieses ionisiert. Manchmal passiert aber auch noch mehr: nämlich eine so genannte Doppelionisation. Dann löst das Licht nicht nur ein sond ... mehr
Einzelnen Atomen beim Zur-Ruhe-Gehen zusehen
Wissenschaftler der Freien Universität Berlin, des Max-Planck-Instituts für Quantenoptik und der Ludwig-Maximilians-Universität München (LMU) haben mit Experimenten erstmals das dynamische Verhalten korrelierter einzelner Atome in Festkörpern simuliert. Es gelang ihnen, Atome in sogenannten ... mehr
Mit Laserpuls auf das einzelne Molekül
Große Lasersysteme liefern heute ultrakurze und hochintensive Lichtpulse, die es im Prinzip erlauben, Materie und ihre Dynamik auf atomaren Skalen abzubilden, bis hin zu einzelnen Viren oder Molekülen. Aber bisher war es nicht möglich, solche Pulse zielgenau einem einzelnen Molekül zu überl ... mehr
Fürstengraben 1
07743 Jena
Deutschland
- Tel.
- +49 (0)3641-931073
- Fax
- +49 (0)3641-931072
-
News
Milzbrand oder Milchpulver - gefährlich oder harmlos?
Ein zeitsparendes und sehr genaues Verfahren zur Erkennung des Milzbranderregers Bacillus anthracis haben Wissenschaftler des Institutes für Photonische Technologien (IPHT) und der Universität Jena entwickelt. Nach nur drei Stunden und minimalem Aufwand ist klar, ob von einem gefährlich anm ... mehr
Röntgenstrahlung auf den Punkt gebracht
Sie gehören zu den größten technischen Anlagen, die zu Forschungszwecken gebaut werden: riesige Teilchenbeschleuniger, durch deren kilometerlange Bahnen Teilchen auf nahezu Lichtgeschwindigkeit beschleunigt und so zur Erzeugung von Strahlung genutzt werden können. An den leistungsstarken Be ... mehr
Illegale Substanzen in Lebensmitteln besser nachweisen
Verbotene Farbstoffe, Dioxine, Antibiotika, gesundheitsschädliche Substanzen in Lebensmitteln – solche Schlagworte erscheinen fast täglich in den Medien und verunsichern die Bevölkerung. „Damit Essen nicht nur schmeckt, sondern auch gesund ist, erforschen wir wirkungsvolle Werkzeuge für die ... mehr
- Firmen
- 1Ötzi-Blut nachgewiesen: 5000 Jahre alte rote Blutkörperchen entdeckt
- 2Erste Sekunden im Leben eines Bauwerkes
- 3Globaler Pharmaumsatz verdoppelt sich bis 2020: Verändertes Geschäftsmodell nötig, um von Chancen zu profitieren
- 4Fortschreiten der Alzheimer-Erkrankung an einzelnen Neuronen zu sehen
- 5Veränderung in der Konzernleitung von Tecan
- 6Erlaubnisfreie Standardlösungen von Betäubungsmitteln
- 7Thermische Eigenschaften von Keramiken auf einen Blick
- 8Was Atome zusammenhält: Physiker enthüllen Symmetrie chemischer Bindungen
- 9Testergebnis in Blut geschrieben: Papier-basierter Bluttest schreibt Blutgruppe auf
- 10Milzbrand oder Milchpulver - gefährlich oder harmlos?
- Tumore der Gallenwege durch Gallensaftanalyse zuverlässig erkennbar - - Neuer Test ermöglicht die Erkennung von Krebs der Gallengänge mit hoher Empfindlichkeit
- Neue Institute verstärken Fraunhofer Vision -
- Helmholtz Zentrum München entwickelt neue Diagnostik für akute myeloische Leukämie -
- Bakteriengenom passt sich rasch an Menschen an - - MHH-Forscher nutzen neue Gensequenzierungsmethode zur Aufklärung der Genomevolution des Magenkrebserregers Helicobacter pylori
- Die Waffen der Salmonellen sind enttarnt -





