30.11.2010: Wissenschaftler des Helmholtz Zentrums München haben ein Zelltestsystem entwickelt, mit dem sich einfach und zuverlässig neue Substanzen identifizieren lassen, die die Vermehrung von HI-Viren hemmen. Mit dieser neuen Technologie können künftig nicht nur große Wirkstoff-Banken, sondern auch Naturstoffe oder pflanzliche Rohextrakte auf ihre antivirale Wirkung hin überprüft werden.
EASY-HIT (exploratory assay system for the discovery of HIV inhibitors) ist ein neues Test-Verfahren, das die Wirksamkeit von Hemmstoffen gegen das HI-Virus zuverlässig und einfach prüfen kann. Dieses haben Wissenschaftler vom Institut für Virologie des Helmholtz Zentrums München unter der Leitung von Professor Ruth Brack-Werner entwickelt. Dafür modifizierten die Forscher menschliche Kulturzellen: sie tragen zum einen natürliche Rezeptoren für den Einlass der HI-Viren in die Zellen und besitzen zudem ein stabil integriertes Reportergen, das die Infektion der Zellen durch rote Fluoreszenz anzeigt - der Grad der HIV-Infektion ist über die Intensität des Fluoreszenz-Signals messbar. Die infizierten Zellkulturen leuchten umso stärker, je effizienter das Virus in die Zellen eindringt bzw. die Bildung von neuen infektiösen Viruspartikeln anregt.
Untersucht man mit EASY-HIT Substanzen auf ihre antivirale Wirkung, zeigt eine Abnahme der Fluoreszenz-Intensität, dass die Testsubstanz die Vermehrung des Virus hemmt und somit einen potentiellen Anti-HIV-Wirkstoff darstellt. Durch eine zweistufige Anordnung des Tests lässt sich feststellen, ob die Substanz in die frühe oder späte Phase der Virus-Vermehrung eingreift. Das Testsystem wurde mit bekannten HIV-Inhibitoren wie Azidothymidin (AZT) und Efavirenz (EFV) validiert. Aus der Wirkstoff-Bank LOPAC1280 und einer Naturstoff-Bank konnten die Wissenschaftler mit Hilfe des neuen Systems fünf neue Substanzen identifizieren, die als mögliche neue Hemmstoffe gegen das HI-Virus weiter untersucht werden.
„Das vielseitige und robuste EASY-HIT-Testsystem soll uns helfen, neue HIV-Angriffsziele zu entdecken und neuartige Hemmstoffquellen zu erschließen“, fasst Dr. Stephan Kremb, Erstautor der Studie, zusammen. Und Professor Ruth Brack-Werner ergänzt: „Wir sehen nicht nur in der Grundlagenforschung, sondern auch für die Pharma-Industrie eine breite Verwendung und möchten so die dringend notwendige Identifizierung und Charakterisierung von neuen HIV-Inhibitoren forcieren.“
Das HI-Virus wurde in den frühen 1980er-Jahren entdeckt und als Auslöser der Immunschwäche-Krankheit AIDS beschrieben. Bislang ist keine Heilung der Infektion möglich. Die vorhandenen Anti-AIDS-Medikamente haben oft unerwünschte Nebenwirkungen, sind sehr teuer oder werden mit der Zeit unwirksam, weil die Viren Resistenzen gegen sie entwickeln. Um neue Wirkstoff-Banken, aber auch Naturstoffe auf ihre Anti-HIV-Aktivität testen zu können, sind zuverlässige und einfach handhabbare Testsysteme vonnöten - „EASY-HIT kann hierzu entscheidend beitragen“, so Brack-Werner.
Originalveröffentlichung:Kremb, S., Helfer, M., Heller, W., Hoffmann, D., Wolff, H., Kleinschmidt, A., Cepok, S., Hemmer, B., Durner, J., Brack-Werner, R.; "EASY-HIT: HIV Full-Replication Technology for Broad Discovery of Multiple Classes of HIV Inhibitors"; Antimicrobial Agents and Chemotherapy 2010 Dec, Vol 54(12):5257-68
Wissenschaftler des Helmholtz Zentrums München und der Ludwig-Maximilians-Universität München haben eine Methode entwickelt, mit der sie nur die in Tumorzellen aktiven Gene auf Veränderungen untersuchen können. Damit wurde zugleich eine bisher unbekannte Mutation gefunden.
Das Wissensc ... mehr
Wie arbeiten die Zellorganellen im lebenden Organismus zusammen? Wissenschaftler des Helmholtz Zentrums München haben eine Methode entwickelt, um diese Vorgänge sichtbar zu machen. Erste Entdeckungen mit dieser Technik: Das Zentrosom und der Zellkern stehen in wandernden Nervenzellen nicht ... mehr
Wissenschaftler des Helmholtz Zentrums München haben ein Zelltestsystem entwickelt, mit dem sich einfach und zuverlässig neue Substanzen identifizieren lassen, die die Vermehrung von HI-Viren hemmen. Mit dieser neuen Technologie können künftig nicht nur große Wirkstoff-Banken, sondern auch ... mehr