25.03.2010: Die beiden Wissenschaftler Prof. Dr. Petra S. Dittrich (36), Laboratorium für Organische Chemie an der ETH Zürich, und Dr. Matthias Selbach (39), Arbeitsgruppe „Zelluläre Signalwege und Massenspektrometrie“ am Max-Delbrück-Centrum, Berlin-Buch, wurden mit dem Analytica Forschungspreis 2010 ausgezeichnet. Sie teilen sich den mit insgesamt 50.000 Euro dotierten Wissenschaftspreis für ihre grundlegenden Arbeiten auf den Gebieten von Mikrochips und Zellanalytik. Prof. Dr. Nikolaus Pfanner, Präsident der Gesellschaft für Biochemie und Molekularbiologie e.V. (GBM), verlieh den von Roche gestifteten Forschungspreis auf der Weltfachmesse für Analytik, Labortechnik und Biotechnologie, der analytica, in München. „Roche ist als innovatives Gesundheitsunternehmen an der Entwicklung von neuen Konzepten und Technologien sehr interessiert“, begründet Dr. Gerd Grenner, Chief Technology Officer Diagnostics, Basel, das Engagement von Roche bei der Vergabe des Analytica Forschungspreises. „Die beiden Preisträger verkörpern die Ansprüche, die wir an die moderne medizinische Forschung stellen. Über mehrere Fachdisziplinen hinweg denken und arbeiten, neue Wege gehen aber dabei nie das Ziel aus dem Auge verlieren, am Ende einen echten Mehrwert zu schaffen.“
Die Chemikerin Prof. Dr. Petra Dittrich entwickelt scheckkartengroße Chips mit miniaturisierten Laborkomponenten und nutzt dazu Methoden der Mikro- und Nanotechnologie. Ziel ihrer Arbeit sind Lab-on-a-Chip-Systeme, die alle Funktionen eines großen Labors auf einem Kunststoffträger integrieren, um auch komplexe Analysen simultan vornehmen zu können. „Das könnte vielleicht einmal das lange Warten auf Laborwerte überflüssig machen, weil Blutproben oder Proben anderer Körperflüssigkeiten direkt vor Ort in der Arztpraxis analysiert und ausgewertet werden können“, erklärt die Wissenschaftlerin. Die winzigen Reaktionsplattformen eignen sich auch für die Grundlagenforschung. So arbeitet Petra Dittrich derzeit an einem Chip, auf dem einzelne Zellen aufgebracht werden können, um grundlegende Prozesse und Reaktionsmechanismen von hochkomplexen Systemen wie einer lebenden Zelle zu verstehen.
Der Biologe Dr. Matthias Selbach, Max-Delbrück-Centrum für Molekulare Medizin, Berlin-Buch, erforscht, wie Zellen die Proteinbiosynthese steuern. Mit einer neuen Markierungsmethode, dem „pulsed SILAC-Verfahren“, hat er gezeigt, dass so genannte Mikro-Ribonukleinsäuren (microRNAs) die Proteinproduktion in der Zelle entscheidend beeinflussen. Der Wissenschaftler und sein Team haben dazu Aminosäuren, die Bausteine der Proteine, mit stabilen Isotopen markiert. Die Zellen bauen die markierten Aminosäuren daraufhin in die Proteine ein. Anschließend ist es möglich, die Proteinsynthese mithilfe eines Massenspektrometers zu quantifizieren. „Unser Ziel ist es, grundlegende Lebensprozesse auf Proteinebene zu verstehen“, sagt Matthias Selbach. „Und es würde uns freuen, wenn sich daraus bald konkrete diagnostische und therapeutische Anwendungen ergeben könnten.“ Die microRNAs sind sehr kleine RNAs, die aus nur knapp zwei Dutzend Nukleotid-Bausteinen bestehen. Sie können sich an komplementäre Abschnitte einer Boten-Ribonukleinsäure anlagern und verhindern, dass das jeweilige Protein aufgebaut wird. Sie entscheiden also, welche Proteine produziert werden.
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