Wer möchte nicht manchmal unter einer Tarnkappe verschwinden? Was für Harry Potter oder Siegfried in der Nibelungensage Standard ist, galt in der wirklichen Welt als unmöglich. Vor einigen Jahren eröffnete die Theorie der Transformationsoptik zumindest auf dem Papier einen Weg. Im Experimen ... mehr
Endlich unsichtbar
Im Elektronenmikroskop ist die eigentliche optische Tarnkappe unter der Wölbung im Goldfilm (gelbrot) erkennbar (Colorierte REM-Aufnahme).
23.03.2010: Wer möchte nicht manchmal unter einer Tarnkappe verschwinden? Was für Harry Potter oder Siegfried in der Nibelungensage Standard ist, galt in der wirklichen Welt als unmöglich. Vor einigen Jahren eröffnete die Theorie der Transformationsoptik zumindest auf dem Papier einen Weg. Im Experiment wurden jedoch für den Bereich optischer Wellenlängen bisher nur Strukturen realisiert, die in zwei Dimensionen wirksam waren. In der Fachzeitschrift Science präsentieren Wissenschaftler des Karlsruher Instituts für Technologie (KIT) und des Imperial College in London nun erstmals eine optische Tarnkappe für dreidimensionale Objekte.
Tatsächlich ist das Objekt, das Professor Martin Wegener und seine Arbeitsgruppe am DFG-Centrum für Funktionelle Nanostrukturen (CFN) des KIT scheinbar verschwinden lässt, lediglich eine kleine, ein Tausendstel Millimeter (Mikrometer) hohe Beule in einem dünnen Goldfilm. "Trotzdem ist das Ergebnis ein großer Fortschritt", betont der Physiker. "Bisher beruhten Tarnkappen auf Wellenleitern, die praktisch zweidimensional sind. Sobald man jedoch aus der dritten Dimension auf die Struktur schaut, ist die Wirkung dahin."
Den Durchbruch ermöglicht ein Verfahren, das die Wissenschaftler von wenigen Jahren am CFN entwickelt haben: Beim Direkten Laserschreiben (DLS) schreibt ein computergesteuerter, fokussierter Laserstrahl in einem Fotolack wie ein Stift in alle drei Raumrichtungen. "Damit produzieren wir 3D-Strukturen mit optischen Eigenschaften, die es in der Natur nicht gibt", erläutert Wegeners Mitarbeiter Tolga Ergin. Diese Metamaterialien genannten Gebilde sehen wie Holzstapel aus. In der Nähe der kleinen Beule haben sie eine Region, in der sich der Brechungsindex für elektromagnetische Wellen im optischen Bereich kontinuierlich ändert. Dadurch werden Lichtwellen, die das gewölbte Objekt normalerweise seitlich reflektieren würde, so beeinflusst und umgelenkt, dass nur ein gleichförmiges Lichtsignal registriert wird. "Wir sehen quasi eine glatte Fläche ohne Beule", so Dr. Nicolas Stenger, Mit-Autor der Arbeit. "Aber die Physik dahinter ist komplex. Die mathematischen Werkzeuge zur Berechnung ähneln denen der Einsteinschen Relativitätstheorie."
Die Messung selbst erfolgt an einem experimentellen Aufbau, der einem gewöhnlichen optischen Mikroskop gleicht. Dabei funktioniert die optische Tarnkappe sogar besser als von den Wissenschaftlern erwartet, denn der Effekt zeigt sich über einen breites Wellenlängenspektrum von 1,5 bis 2,6 Mikrometer. "Das ist nicht der Bereich des sichtbaren Lichts", räumt Wegener ein. "Diese Wellenlängen im nahen Infrarot sind jedoch für die Telekommunikation bedeutsam."
Mit ihrer DLS-Technik könnten die Karlsruher prinzipiell auch Metamaterialien herstellen, um ganze Menschen verschwinden zu lassen. "Nur würde die Herstellung extrem lange dauern", scherzt Wegener. Wichtiger sind ihm die optischen Tarnkappen ohnehin als experimentelles Werkzeug zur Erforschung der Transformationsoptik. Von ihr erhofft er sich Impulse zur Entwicklung komplexer Komponenten für die Optik und Photonik.
Originalveröffentlichung: Tolga Ergin, Nicolas Stenger, Patrice Brenner, John B. Pendry, and Martin Wegener; "Three-Dimensional Invisibility Cloak at Optical Wavelenghts"; Science Express Reports, veröffentlicht online am 18. März 2010
Zusatzinformationen
South Kensington Campus
SW7 2AZ London
GROßBRITANNIEN
- Tel.
- +44 20 7589 5111
-
News
Degussa verleiht European Science-to-Business Award
Preisträger des hoch dotierten "Degussa European Science-to-Business Award 2006" ist Russell Cowburn, 36, Professor für Nanotechnology am Imperial College, London. Das gab die Degussa AG in Berlin bekannt. Cowburn setzte sich in der Endrunde gegen zwei weitere europäische Bewerberteams durc ... mehr
Kaiserstraße 12
76131 Karlsruhe
DEUTSCHLAND
- Tel.
- +49721608-0
- Fax
- +49721608-4290
-
News
GLORIA: weltweit einzigartiges Experiment für die Klimaforschung
Präzise Messungen der Atmosphäre sind für Vorhersagen des Klimawandels und seiner Folgen, wie sie zurzeit auf der Weltklimakonferenz in Durban diskutiert werden, unentbehrlich. Eine Forschergruppe der Helmholtz-Gemeinschaft aus Jülich und Karlsruhe startet daher am 6. Dezember im nordschwed ... mehr
Karlsruher Tarnkappe: „Sichtbar verschwinden“
"Mit den eigenen Augen etwas Unsichtbares zu sehen, ist eine spannende Erfahrung", so Joachim Fischer und Tolga Ergin. Die beiden Physiker haben am Center for Functional Nanostructures (CFN) am Karlsruher Institut für Technologie (KIT) in der Arbeitsgruppe von Professor Martin Wegener fast ... mehr
Neue Methode zur Enträtselung molekularer Strukturen
Chemiker der Technischen Universität München (TUM) und des Karlsruher Institut für Technologie (KIT) haben eine neue Methode zur Identifizierung chemischer Verbindungen vorgestellt. Das angewandte Verfahren stellt eine Verfeinerung der Kernspinresonanzspektroskopie (NMR-Spektroskopie) dar, ... mehr
- 1Mit neuen Lichteffekten gefährlichen Keimen auf der Spur
- 2Erste Absolventin der Miniaturisierten Biotechnologie
- 3Dunn Labortechnik feiert 30-jähriges Firmenjubiläum
- 4Wissenschaftler fahnden nach Tumorgenen im Urin
- 5Bessere Vergleichbarkeit von Blutuntersuchungen
- 6Dem Fingerabdruck ökologischer Lebensmittel auf der Spur
- 7Guinness-Rekord: Schnellster Film der Welt stammt vom Hamburger Röntgenlaser FLASH
- 8B. Braun beteiligt sich an der CeGaT GmbH
- 9Takara Bio Europe erweitert Direktvertrieb ab 2012
- 10Sartorius wächst zweistellig und steigert operativen Gewinn um mehr als 30%
- 1Schärfer als Heisenberg erlaubt
- 2Ausbildung von Laboranten im Verbund
- 3Entschlüsselung eines süßen Geheimnisses
- 4Spuren im Berliner Wasser untersuchen
- 5Veränderung in der Geschäftsführung der WALDNER Laboreinrichtungen GmbH & Co. KG
- 6Mit dem Nano-Ohr in die Stille lauschen
- 7Epigenomics Biomarker prognostiziert Behandlungresistenz bei Darmkrebs
- 8Ein kleines Energiesparwunder: das Chaperon‐Protein Hsp90
- 9Mit neuen Lichteffekten gefährlichen Keimen auf der Spur
- 10Globaler Pharmaumsatz verdoppelt sich bis 2020: Verändertes Geschäftsmodell nötig, um von Chancen zu profitieren
- 1So tötet die Biowaffe Rizin
- 2Globaler Pharmaumsatz verdoppelt sich bis 2020: Verändertes Geschäftsmodell nötig, um von Chancen zu profitieren
- 3Schärfer als Heisenberg erlaubt
- 4Faszinierende Bilder entschlüsseln die Kletterfähigkeit von Spinnen und Geckos
- 5Ausbildung von Laboranten im Verbund
- 6Entschlüsselung eines süßen Geheimnisses
- 7Spuren im Berliner Wasser untersuchen
- 8Neuer Schnelltest ermöglicht Nachweis einer akuten HIV-Infektion
- 9Messgerät für Gerüche entwickelt
- 10Veränderung in der Geschäftsführung der WALDNER Laboreinrichtungen GmbH & Co. KG
- Steigender Umsatz motiviert Freeman Technology zum Umzug in neue Unternehmenszentrale
- Carl Zeiss vergibt Unterlizenz für LED Fluoreszenzanregung an Prior Scientific Ltd.
- LGC’s Genomics Division fusioniert mit KBioscience
- Freeman Technology ernennt Betriebsleiter
- Erneute Auszeichnung für SGE: eVol erhält den renommierten R&D100 Award
- Biotech industry buoyant - but costs cutting must not hamper innovation -
- Pronota awarded EUR 1.4 million grant to validate and develop novel cardiovascular biomarkers -
- Vision: Batterien im Staubkorn - - Viel Power auf kleinstem Raum: Forschergruppe der TU Chemnitz und des Leibniz-Instituts für Festkörper- und Werkstoffforschung Dresden entwickelt ultra-kompakte Energiespeicher
- Das Proton - kleiner als gedacht - - Ein internationales Team misst den Ladungsradius eines Wasserstoffkerns und stößt dabei auf physikalische Rätsel
- Körperscanner für Kunstwerke -





