16.03.2010: Nicht selten ist die Diagnose eines Karzinoms in der Nebenniere falsch. Allerdings haben Würzburger Mediziner vor Kurzem eine Methode gefunden, die diese Diagnosen in Zukunft deutlich sicherer machen kann. Der Privatdozent Dr. Martin Fassnacht ist dafür von der Deutschen Gesellschaft für Endokrinologie ausgezeichnet worden.

Wenn Mediziner den Verdacht haben, ihr Patient könnte an einem Krebsgeschwulst in der Nebenniere erkrankt sein, wird der Patient in der Regel operiert und die Gewebeprobe in die Pathologie geschickt. Die genaue Untersuchung dort sollte eigentlich eine exakte Diagnose liefern.

"Sollte" muss es heißen, weil: "Aktuelle Untersuchungen unserer Würzburger endokrinologischen Arbeitsgruppe zeigen, dass die histo-pathologische Diagnose 'Nebennierenkarzinom' in zehn bis 15 Prozent der Fälle falsch ist", sagt Dr. Martin Fassnacht, Oberarzt in der Endokrinologie der Medizinischen Klinik I.

Die Folge dieser Fehldiagnosen hat für die betroffenen Patienten unangenehme Konsequenzen: "Sie erhalten eine nebenwirkungsreiche, aber wirkungslose Therapie", sagt Fassnacht.

Schwierige Diagnose

Gründe für diese häufigen Fehldiagnosen gibt es einige: Zum einen ist dieser bösartige Tumor sehr selten: Pro Jahr erkranken nur etwa 60 bis 100 Menschen in Deutschland daran. "Zum anderem fehlte es bislang an einem guten Marker zur Abgrenzung zu anderen Tumoren im Bereich der Nebenniere", so Fassnacht. Besonders schwierig sei auch die Abgrenzung von Metastasen in der Nebenniere, die von anderen Tumoren im Körper ausgehen.

Mittlerweile liegt möglicherweise eine Lösung für das Problem vor: Die Würzburger Arbeitsgruppe von Professor Bruno Allolio und Dr. Martin Fassnacht hat einen Marker gefunden, der die Diagnostik erheblich verbessern wird: den so genannten Steroidogenic Factor 1 (SF-1).

In einer von der Deutschen Krebshilfe unterstützen Untersuchungen konnten die Würzburger Forscher zeigen, dass SF-1 in 98 Prozent aller Nebennierenkarzinome nachweisbar war, nicht aber in anderen untersuchten Tumorgewebe. Zusätzlich fand die Gruppe von Martin Fassnacht, dass SF-1 einen wichtigen Prognosefaktor für die Nebennierenkarzinome darstellt.

Wenn dieser Marker in der Routinediagnostik von Nebennierentumoren eingesetzt wird, lassen sich nach Überzeugung von Martin Fassnacht die Anzahl der Fehldiagnosen in Zukunft deutlich reduzieren und die klinische Versorgung von Patienten mit Nebennierentumoren verbessern.

Der Schöller-Junkmann-Preis

Martin Fassnacht ist für diese Arbeit aktuell auf der 53. Jahrestagung der Deutschen Gesellschaft für Endokrinologie in Leipzig mit dem traditionsreichsten Preis der Gesellschaft, dem Schöller-Junkmann-Preis, ausgezeichnet worden. Der Preis ist mit 5.000 Euro dotiert.

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