Immer gleich süß: Dichtemessung jetzt effizienter und breiter anwendbar
RUB-Thermodynamiker präzisieren Dichte-Referenzflüssigkeiten für Kalibrierung
18.02.2010: Wenn wir eine Coca Cola trinken, erwarten wir einen ganz bestimmten
Geschmack. So ist etwa der Zuckergehalt in diesem Getränk immer gleich
und muss vom Hersteller somit genau bestimmt werden können. Solche
Messungen erfolgen mit Dichtemessgeräten, die mit speziellen
Referenzflüssigkeiten kalibriert werden. Je genauer die Dichte dieser
Flüssigkeiten bekannt ist, desto präziser sind die Kalibrierung und
schließlich die Dichtemessung. Dem Team um Prof. em. Dr. Wolfgang
Wagner und Prof. Dr. Roland Span (Lehrstuhl für Thermodynamik) gelang
nun die hochpräzise Messung der Dichte dreier in Industrie und
Forschung gängiger Referenzflüssigkeiten: Cyclohexan, Toluol, Ethanol.
Da die Messungen in einem breiten Druck- und Temperaturbereich
erfolgten, erlauben sie ein weites Anwendungsspektrum. Die Ergebnisse
des DFG-geförderten Projekts "Genaue Messung des ppT-Verhaltens von
Cyclohexan, Toluol und Ethanol als Dichte-Referenzflüssigkeiten für
Kalibrierzwecke" sollen nun den Nutzern auf einfache Weise in Form von
Korrelationsgleichungen zur Verfügung gestellt werden.
Minimale Messunsicherheit
Sowohl in der Forschung als auch in der Industrie ist eine große Anzahl
sogenannter Biegeschwinger-Dichtemessgeräte im Einsatz. Die
Leistungsfähigkeit der Dichtemessgeräte wurde bisher noch nicht
ausgeschöpft, da die Dichte der Referenzflüssigkeiten nicht mit der
nötigen Genauigkeit bekannt war. Mit der am Lehrstuhl für Thermodynamik
entwickelten Ein-Senkkörper-Dichtemessanlage begrenzten die Mitarbeiter
die Gesamtmessunsicherheit bei der Dichtebestimmung von Cyclohexan,
Toluol und Ethanol auf nur 0,015 Prozent. Dabei erfolgten die Messungen
in einem Temperaturbereich von -40 °C bis +200 °C sowie in einem
Druckbereich von 0,1 MPa bis 30 MPa. Dieses breite Datenspektrum
erlaubt einen Einsatz weit über Standardanwendungen wie die Bestimmung
des Zuckergehalts von Coca Cola hinaus.
Weltweiter Nutzen
Um die Messergebnisse auf einfache Weise nutzbar zu machen,
entwickelten die Bochumer Thermodynamiker für alle drei vermessenen
Flüssigkeiten genaue Korrelationsgleichungen, die gemeinsam mit den
Daten zur Veröffentlichung eingereicht wurden. Diese
Korrelationsgleichungen repräsentieren den Zusammenhang zwischen
Dichte, Druck und Temperatur. Je nach vorliegenden Druck- und
Temperaturbedingungen können die Nutzer mit Hilfe der Gleichungen somit
leicht die Dichte der zur Kalibrierung eingesetzten Flüssigkeit
bestimmen. Weltweit sind zahlreiche Biegeschwinger-Dichtemessgeräte im
Einsatz, von denen die meisten in einem relativ engen Temperatur- und
Druckbereich operieren. Etwa zehn Prozent der Anwendungen erfolgen
jedoch außerhalb der üblichen Messbedingungen und können somit von den
neuen Ergebnissen der Gruppe von Prof. Wagner und Prof. Span
profitieren. Forschungslabore an Universitäten und in Firmen weltweit
können die Ergebnisse nutzen, um die Effizienz der Dichtemessgeräte zu
steigern.
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