Elektronen im Kreisverkehr: RUB-Physiker entdecken neuen Effekt
Magnetfelder beeinflussen die Phasenverschiebung
03.02.2010: Wenn Elektronen um ein Hindernis herumströmen, können sie sich dahinter beim Zusammenfließen addieren oder auslöschen. Enthält das Hindernis ein Magnetfeld, kann sich dieses Verhalten periodisch im Magnetfeld ändern, Physiker sprechen vom Aharonov-Bohm-Effekt. Dass auch seitlich des Hindernisses liegende Magnetfelder einen Einfluss ausüben, hat ein Physikerteam aus Holland, Deutschland und Italien unter maßgeblicher Beteiligung von Prof. Dr. Andreas Wieck (Angewandte Festkörperphysik der RUB) jetzt entdeckt. Eine erklärende Theorie fehlt bislang.
Phasenverschiebung vertauscht Verstärkung und Auslöschung
Immer, wenn die Wege von Elektronen sich teilen, weil sie links- und rechtsherum um ein Hindernis herumlaufen und ihren Strom dahinter wieder vereinigen, spielt ihr Wellencharakter die entscheidende Rolle. Hinter dem Hindernis können sie sich addieren oder sogar gegenseitig auslöschen (destruktive Interferenz). Wenn nun das Hindernis ein Magnetfeld beinhaltet, werden die Wellen (genauer ihre "Phasen") verschoben und aus Verstärkung kann Auslöschung werden oder umgekehrt. Das nennt man den seit Jahren bekannten "Aharonov-Bohm-Effekt".
Wie Autofahrer im Kreisverkehr
Das internationale Physikerteam hat jetzt einen neuen Effekt entdeckt: Sie beschreiben erstmals, dass nicht nur wie beim Aharonov-Bohm-Effekt das von den Elektronen umrundete Magnetfeld zählt, sondern zusätzlich das Magnetfeld, das durch die Fläche der Elektronenbahnen selbst hindurchtritt. "Es ist wie beim Kreisverkehr", illustriert es Prof. Wieck: "Bislang gingen wir davon aus, dass nur die kreisförmige Grünfläche in der Mitte relevant ist. Jetzt wissen wir aber, dass auch die Straßenbreite, bzw. die Fläche der Straße, eine wichtige Rolle spielt." Dadurch, dass Elektronen im Magnetfeld - genau wie Autofahrer - dazu neigen, sich am linken oder rechten Straßenrand "entlangzuhangeln", gibt es so genannte Randströme, die die mittlere Fläche der Straße einrahmen. "Wahrscheinlich spielt das eine wichtige Rolle für die Erklärung des Effektes", schätzt Wieck. Eine perfekte Theorie gibt es dafür allerdings noch nicht.
Spezielle Halbleiter
Die Entdeckung gelang aufgrund spezieller Aluminium-Gallium-Arsenid-Halbleiter, die in Bochum im Ultrahochvakuum durch die so genannte Molekularstrahlepitaxie (MBE) hergestellt wurden. Die Kristalle können in dieser Qualität nur an wenigen Orten der Welt erzeugt werden. Mittels Rasterkraftmikroskopie versahen die Forscher die Halbleiter dann mit Barrieren, die den Elektronenfluss kreisverkehrsförmig einengten. Dabei liegen die steuernden Kontakte , sog. In-Plane-Gates, in derselben Ebene wie der Elektronen-Kreisverkehr. Dies ist eine Entwicklung von Prof. Wieck, die schon in den verschiedensten Halbleitersystemen eingesetzt wird und zu innovativen integrierten Schaltkreisen führt.
Originalveröffentlichung: A. J. M. Giesbers et al.; "Correlation-induced single-flux-quantum penetration in quantum rings"; Nature Physics, Published online: 31 January 2010
Kontakt / Infos anfordern
Fordern Sie gratis weitere Informationen an:
Zusatzinformationen
- 1Mit neuen Lichteffekten gefährlichen Keimen auf der Spur
- 2Erste Absolventin der Miniaturisierten Biotechnologie
- 3Dunn Labortechnik feiert 30-jähriges Firmenjubiläum
- 4Wissenschaftler fahnden nach Tumorgenen im Urin
- 5Bessere Vergleichbarkeit von Blutuntersuchungen
- 6Dem Fingerabdruck ökologischer Lebensmittel auf der Spur
- 7Guinness-Rekord: Schnellster Film der Welt stammt vom Hamburger Röntgenlaser FLASH
- 8B. Braun beteiligt sich an der CeGaT GmbH
- 9Takara Bio Europe erweitert Direktvertrieb ab 2012
- 10Sartorius wächst zweistellig und steigert operativen Gewinn um mehr als 30%
- 1Schärfer als Heisenberg erlaubt
- 2Ausbildung von Laboranten im Verbund
- 3Entschlüsselung eines süßen Geheimnisses
- 4Spuren im Berliner Wasser untersuchen
- 5Veränderung in der Geschäftsführung der WALDNER Laboreinrichtungen GmbH & Co. KG
- 6Mit dem Nano-Ohr in die Stille lauschen
- 7Epigenomics Biomarker prognostiziert Behandlungresistenz bei Darmkrebs
- 8Ein kleines Energiesparwunder: das Chaperon‐Protein Hsp90
- 9Mit neuen Lichteffekten gefährlichen Keimen auf der Spur
- 10Globaler Pharmaumsatz verdoppelt sich bis 2020: Verändertes Geschäftsmodell nötig, um von Chancen zu profitieren
- 1So tötet die Biowaffe Rizin
- 2Globaler Pharmaumsatz verdoppelt sich bis 2020: Verändertes Geschäftsmodell nötig, um von Chancen zu profitieren
- 3Schärfer als Heisenberg erlaubt
- 4Faszinierende Bilder entschlüsseln die Kletterfähigkeit von Spinnen und Geckos
- 5Ausbildung von Laboranten im Verbund
- 6Entschlüsselung eines süßen Geheimnisses
- 7Spuren im Berliner Wasser untersuchen
- 8Neuer Schnelltest ermöglicht Nachweis einer akuten HIV-Infektion
- 9Messgerät für Gerüche entwickelt
- 10Veränderung in der Geschäftsführung der WALDNER Laboreinrichtungen GmbH & Co. KG
- PANATecs beantragt Erlaubnis nach §13 Arzneimittelgesetz zur Durchführung freigaberelevanter Prüfungen -
- Erbgut in Pflanzen richtig suchen und finden - - Richtlinie VDI 4330 Blatt 5: Monitoring der Wirkungen gentechnisch veränderter Organismen (GVO); Leitfaden zur Entnahme und Aufarbeitung von Pflanzenproben für die molekularbiologische Analytik
- Epigenomics AG: Clinical Study Shows Lead Biomarker for Lung Cancer also works in Blood - - Biomarker mSHOX2 could accelerate diagnostic work-up of patients with suspected lung cancer
- CEM Wins Presidential Green Chemistry Challenge Award for the Sprint Rapid Protein Analyzer -
- Life Technologies unterstützt weltweit Labore beim Nachweis von Influenza A (H1N1) - - Unternehmen arbeitet eng mit internationalen Behörden zum Schutz der öffentlichen Gesundheit zusammen





