01.12.2009: Bis ein neues Medikament auf den Markt kommt, müssen die enthaltenen
Wirkstoffe zuvor viele zeitintensive Tests durchlaufen. Eine neue Technologie zur
schnelleren und kostengünstigeren Analyse von Arzneimittelwirkungen und somit
zur effizienteren und sicheren Entwicklung von Medikamenten wurde beim
diesjährigen STEP Award Unternehmenswettbewerb mit einem Geldpreis sowie
einem Zusatzpaket an Sach- und Dienstleistungen im Gesamtwert von rund
100.000 Euro honoriert: Bei einer Gala-Veranstaltung in Frankfurt wurde die Nanion Technologies GmbH aus München mit diesem Unternehmenspreis ausgezeichnet.
Die beiden Geschäftsführer Dr. Andrea Brüggemann und Dr. Niels Fertig nahmen den Preis entgegen. Die Initiatoren des STEP Award, Dr. Roland
Mohr, Geschäftsführer von Infraserv Höchst, und Volker Sach, Geschäftsführer des
F.A.Z.-Instituts, überreichten den Pokal an die Gewinner.
Die Nanion Technologies GmbH wurde 2002 als Spin-off des Center for
NanoScience (CeNS) der Ludwig-Maximilians-Universität München gegründet. Das
Nanion-Team hat zwei Analyse-Instrumente (Port-a-Patch und
Patchliner) für die Elektrophysiologie entwickelt und erfolgreich im globalen Markt
eingeführt. In Nanions Messinstrumenten kommen mikrostrukturierte Chips zum
Einsatz, welche die normalerweise beim Patch Clamp-Verfahren (Nobelpreis 1991)
verwendete Glaspipette ersetzen.
Mit dem Patch-Clamp-Verfahren können die Funktionen und Eigenschaften der
Ionenkanäle in Zellmembranen untersucht werden, während Strom durch sie
hindurch geleitet wird. Dabei verändern sich die Moleküle kurzfristig und
beeinflussen den Stromkreis. Auf diese Weise können viele Zelltypen erforscht
werden, denn zahlreiche erbliche Erkrankungen lassen sich auf eine fehlerhafte
Kanalfunktion (Ionenkanal-Mutation) zurückführen.
Die Innovation: Mikro-Chip statt Pipette
Im klassischen Patch-Clamp-Verfahren wurden für die direkte Analyse der
Ionenkanalfunktion Mikropipetten aus Glas eingesetzt, um eine
leitende Verbindung zum Zellinnern zu schaffen. Nanion hat nun das Patch-Clamp-
Prinzip auf einen mikrostrukturierten, planaren Glaschip übertragen, der eine
extrem kleine Öffnung von nur einem Mikrometer zur Positionierung und
elektrischen Kontaktierung der Zellen enthält. Die experimentelle Anordnung wurde
umgedreht: statt die Pipette an die Zelle heran zu bewegen, wird nunmehr die Zelle
aus einer Suspension durch Unterdruck auf dem Loch im Chip positioniert. Mit
dieser neuen Technologie werden Patch-Clamp-Untersuchungen automatisiert und
parallelisiert und so die Grundbedingungen für ihren standardisierten und
industriellen Einsatz geschaffen. Das neue Chipformat erlaubt eine schnellere, und
kostengünstigere Analyse sowohl erwünschter als auch unerwünschter
Arzneimittelwirkungen an Ionenkanälen, wodurch die Entwicklung von neuen
Medikamenten effektiver und sicherer wird.
Mit modernen Mikrostrukturierungsmethoden stellt Nanion planare Chipsubstrate
aus Glas her, die Perforationen von nur einem Mikrometer enthalten. Diese
Biochips ersetzen die Glasmikropipetten, die üblicherweise für patch-clamp
Ableitungen zum Einsatz kommen, wobei die experimentelle Anordnung invertiert
wird.
Nanion darf sich über einen Geldpreis in Höhe von 50.000 Euro sowie ein
umfangreiches Servicepaket im gleichen Wert, bestehend aus Beratungs- und
Serviceleistungen, freuen. Diese Dienstleistungen werden von den Förderern und
Partnern des STEP Award eingebracht, die den Preisträger in der kommenden
Wachstumsphase unterstützen: Dazu zählen Patentrecherche,
Beratungsleistungen zu Unternehmensstrategie und Business Development,
Technologiepartnersuche, Finanzen, Logistik, klinische Studien, Teilnahme an
Rechts- und Kommunikationsseminaren sowie Nutzung technischer Werkstätten.
Da oftmals gerade die schnelle Verfügbarkeit von Fläche und Infrastruktur ein
wichtiger Erfolgsfaktor für wachsende Unternehmen ist, hat der Preisträger
außerdem die Möglichkeit, für einen Zeitraum von zwei Jahren Labor- und
Büroflächen mietzahlungsfrei im Industriepark Höchst zu nutzen.
Auf die Ausschreibung des STEP Award hatten sich in diesem Jahr rund 100
deutsche, Schweizer und österreichische Unternehmen aus den Zukunftsbranchen
Chemie, Pharma, Life Science, Bio- und Nanotechnologie, Medizintechnik und
Greentech gemeldet. Die Teilnehmer waren aufgefordert, Geschäftsinhalt und
Expansionsmission sowie die Wettbewerbsposition darzustellen. Bestandteil der
Bewerbungsunterlagen war auch eine Beschreibung der Patentsituation und des
Realisierungsplanes. Auf dieser Grundlage wählte die Jury, bestehend aus
Experten aus Wirtschaft und Wissenschaft, nach Bewertungskriterien der Balanced
Scorecard (Management, Markt/Kunde, Prozesse, Produkt/Technologie und
Finanzen) die zehn Finalisten aus, die Ende Oktober die Möglichkeit erhielten, ihr
Unternehmen vor der Jury noch einmal persönlich vorzustellen. Im Anschluss
daran wurden der Gesamtsieger und die Preisträger in den Kategorien bestimmt.
Vier Kategorienpreise
Die Preise für die besten Wachstumsunternehmen in den Kategorien
„Markt/Kunde“, „Prozesse“, „Produkt/Technologie“ und „Finanzen“ gehen an:
Markt/Kunde: Activaero GmbH
Activaero ist ein Technologieführer bei der Entwicklung von Drug-
Delivery-Technologien zur optimierten Effizienz und Präzision in der
Inhalationstherapie zur kontrollierten Atmung. Die innovativen Technologien der
Gautinger Unternehmens ermöglichen eine sicherere, kosteneffizientere und
wirksamere Behandlung von Lungenkrankheiten. Activaero kann als
Kompetenzzentrum für Aerosolmedizin auf viele erfolgreiche Kollaborationen bei
der Lungenwirkstoffentwicklung in präklinischen und klinischen Projekten
zurückblicken.
Prozesse: ChemCon GmbH
Die ChemCon GmbH aus Freiburg hat sich auf die Entwicklung und Herstellung
kleiner Mengen hochaktiver Pharmawirkstoffe für seltene Krankheiten spezialisiert.
Das innovative Konzept hierbei ist die Anpassung der Infrastruktur und der
Produktionsmittel an den jeweiligen Herstellungsprozess. Dadurch können solche
Wirkstoffe schnell, in höchster Reinheit, mit großer Sicherheit für die Mitarbeiter
und sehr umweltfreundlich produziert werden. Da gerade bei seltenen Krankheiten
Tage über Leben und Tod entscheiden können, trägt dieses Konzept aktiv zur
Rettung von Menschenleben bei.
Produkt/Technologie: TRION Pharma GmbH
Die TRION Pharma GmbH aus München ist ein biopharmazeutisches
Unternehmen, das bispezifische, trifunktionale Antikörper, genannt Triomab®,
entwickelt. Diese Antikörper aktivieren gleichzeitig mehrere Abwehrmechanismen des patienteneigenen Immunsystems gezielt gegen Krebs. Das Ergebnis:
Tumorzellen werden mit bislang unerreichter Präzision und Effizienz zerstört, und
das Immungedächtnis wird aktiviert. Removab® (Catumaxomab) wurde 2009 als
erster Vertreter der Triomab®-Familie in Europa zugelassen. Es ist nicht nur das
erste zugelassene Medikament zur Behandlung von malignem Aszites
(Bauchwassersucht), sondern auch der erste therapeutische Antikörper „made in
Germany“.
Finanzen: Cabot Nanogel GmbH
Die Cabot Nanogel GmbH ist ein 2002 gegründetes Tochterunternehmen der
Cabot Corporation. In diesem neuen Geschäftsbereich produziert und vermarktet
Cabot „Aerogel“ - unter dem Markennamen Nanogel. Dieses Material
ist ein Feststoffisolator, mit Dämmwerten, die etwa doppelt so gut
sind wie die der besten herkömmlichen Isoliermaterialien. Niedriges Gewicht,
Lichtdurchlässigkeit, eine wasserabweisende Oberfläche, eine feine Porenstruktur
und chemische Stabilität geben diesem einzigartigen Material das Potential für
unzählige Anwendungen.
Bis ein neues Medikament auf den Markt kommt, müssen die enthaltenen
Wirkstoffe zuvor viele zeitintensive Tests durchlaufen. Eine neue Technologie zur
schnelleren und kostengünstigeren Analyse von Arzneimittelwirkungen und somit
zur effizienteren und sicheren Entwicklung von Medikamenten wu ... mehr
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Der STEP Award 2007 geht in diesem Jahr an die Nanogate AG: Bei einer festlichen Gala nahmen Ralf Zastrau (CEO) und Michael Jung (COO) von der Nanogate AG in Anwesenheit von über 100 Unternehmern, Sponsoren und Partnern des Wettbewerbs den mit 100.000 Euro dotierten STEP Award entgegen. Die ... mehr